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Auch ich möchte meine wichtigsten Erlebnisse des vergangenen Jahres noch kurz zusammenfassen. Ich weiß, ich bin spät dran. Aber besser spät als nie… 😉

Anfang 2014 hat mein Freund dann doch vereinzelt wieder mitbekommen, dass es mir mit dem Essen und der Angst nicht gut ging. Allerdings hatte er noch nie eine Ahnung davon, was es für meinen Alltag bedeutet. Trotzdem meinte er, dass ich mir mal Hilfe suchen sollte…
Mit dem Essen war es mal besser, dann wieder schlechter. Ab und zu Fressanfälle und den Drang es wieder loszuwerden. Immer wieder Hungerphasen. So wie die letzten Jahre auch…

Ich fing an meinem Lehrer* anonym Mails bzgl. meiner Probleme zu schreiben. Er machte Schulseelsorge und ich hatte ihm im Unterricht. Ich hatte wahnsinnige Angst, erkannt zu werden. Und die Angst vor seinem Unterricht wuchs und wuchs…
Doch lange hielt die Schreiberei nicht an. Er merkte schnell, dass er mich nicht zu irgendwelchen Beratungsstellen bewegen konnte. Und danach war die Sache für ihn gegessen und er schrieb auch nicht mehr. Für mich fühlte es sich wieder an, als würde mich wieder jemand fallen lassen…
Bei der mündlichen Prüfung wurde ich natürlich ausgerechnet bei ihm geprüft und hatte natürlich ein Blackout. Danach meinte er nur: “Ich hätte Sie am liebsten durchgeschüttelt!!!”

In meiner Klasse hatte ich hauptsächlich mit meiner Nebensitzerin* Kontakt. Auf meiner anderen Seite saß Horst* der mich sehr viel Nerven kostete. Er suchte irgendwie immer wieder meine Nähe, ohne die Distanz zu wahren, die ich benötigte. Es war sehr anstrengend mit ihm. Einige Erlebnisse dazu, die mich trotz allem auch teilweise manchmal schmunzeln lassen, gab es hier:
Horror-Schultag mit Folgen…,
Vollidiot!?? – der Supergau,
Mal wieder von Horst* genervt und verfolgt…
Horst. Nervt.

Andere Mitschüler zerrissen sich das Maul über mich wegen meiner guten schriftlichen Noten und praktischen Prüfungen. Doch einmal bekam ich zu meiner Überraschung ein großes Lob von ihnen, als sie meine praktische Durchführung im Unterricht ziemlich gut fanden. (Mehr dazu in: “Du hast ja ‘ne Stimme!”)
Und dann gab es natürlich noch meinen Seelenverwandten. Der musste mich nur anschauen und ich hatte das Gefühl, dass er wusste was ich dachte… 🙂 (Ihn vermisse ich auch… 😦 )

Ich war häufig krank. Und oftmals auch angeblich krank. Weil ich einfach nicht mehr konnte…
Es gab Lehrer, die wissen wollten, was mit mir los war. Das eine Mal meine Praxislehrerin, weil ich so still war (klicke hier) und meine Klassenlehrerin mich für den Beruf als ungeeignet gesehen hatte.
Mein Lehrer* meinte dazu nur: “Sie haben bestimmt ihre Gründe warum Sie so ruhig sind…”
Und das andere Mal meine Klassenlehrerin (klicke hier), weil ich – wie alle anderen auch – eine Klausur verhauen hatte (vergleichsweise war meine Note noch gut 😛 ). Nur wurde meine Arbeit zuerst korrigiert, weil ich wie immer als Letzte abgegeben hatte…

Von Anfang an hatte ich 2014 wieder mit meinen Versagensängsten zu kämpfen. Schließlich ging es um die Noten für das schulische Abschlusszeugnis meiner Erzieherausbildung. Das hieß für mich viel lernen. Tag und Nacht. Es war die ganzen Jahre über ein einziger Kampf. Denn ich war nie jemand gewesen, dem alles einfach so in den Schoß fiel.
Meine praktischen Prüfungen bestand ich jeweils mit 1,0 und meine Praxislehrerin meinte: „Sie werden mal eine richtig gute Erzieherin!“
Meine schriftlichen Klausuren waren fast immer auch ziemlich gut. Und durch meine mündlich schlechten Noten (da ich mich ja nie gemeldet habe), war es insgesamt okay…
Vor den Prüfungen hatte ich wahnsinnige Ängste und mir ging es psychisch und körperlich sehr schlecht. Insgesamt lief es aber gut, nur bei der mündlichen Prüfung hatte ich ein fieses Blackout. Meine Eltern reagierten daraufhin nur verständnislos und enttäuscht. Wegen einer 3. Und ich war mal wieder enttäuscht von ihnen, dass sie mich nur nach meinen Leistungen beurteilten und ich ihnen nie gut genug sein konnte…
So erreichte ich im Teil der schulischen Ausbildung einen Durchschnitt von 2,0. Klar, ohne die mündlichen Noten, wäre er um einiges besser gewesen. Aber was will man machen…
Außerdem habe ich meine Fachhochschulreife, die ich zusätzlich zur Ausbildung gemacht habe, bestanden. Mehrmals war ich kurz davor, diesen erweiterten Abschluss abzubrechen. Es war so viel Arbeit, ich hatte ständig das Gefühl zu versagen (vor allem auch wegen Mathe) und ich konnte einfach nicht mehr. Irgendwie habe ich es durchgezogen. Meine Matheprüfung lief nicht gut. Aber für mich irgendwie doch wieder gut. Ich hatte in Mathe das ganze Jahr über wieder nur 5en in den Klausuren über Funktionen & Co. gehabt. Wahrscheinlichkeitsrechnung hatten wir nur eine Woche im Unterricht. In der Prüfung habe ich dann lediglich den Wahrscheinlichkeitsteil (1/3 der Prüfung) bearbeitet. Meine Note war dadurch natürlich nicht all zu gut. Aber ich hatte bestanden. Und eigentlich muss ich den kompletten geschriebenen Teil richtig gehabt haben… Dadurch war es für mich  irgendwie trotzdem ein kleines Erfolgserlebnis. Vor allem weil ich Jahre zuvor das Gymnasium u.a. wegen Mathe und meiner ganzen Probleme abbrechen musste…

Nach dem Schulende, fiel ich in ein tiefes Loch. Es änderte sich plötzlich so vieles in meinem Leben. Meine einzigen sozialen Kontakte (Mitschüler) gingen nun alle ihre eigenen Wege. Die Regelmäßigkeit der Schule fehlte. Ich wusste nicht, ob ich das anstehende Anerkennungsjahr überstehen würde…

Außerdem zog ich endlich in meine erste eigene kleine Wohnung. Alle hatten Bedenken geäußert. Schon damals bei Vorstellungsgesprächen für mein Anerkennungsjahr… Hiiier in der Stadt eine Wohnung mieten bei den Preisen und dem Andrang?
Meine Mutter versuchte mich davon zu überzeugen, bei ihnen wohnen zu bleiben. Mein Freund meinte, ob ich denn meinen würde, dass ich das alles alleine hinbekommen würde…
Es war schwierig etwas zu bekommen. Aber ich habe es geschafft. Und zwar ganz allein. Und ich war sogar ein kleines bisschen stolz auf mich selbst! 🙂 🙂
Anfangs fiel es mir schwer, weil ich aufgrund der neuen Umgebung total reizüberflutet war.
Das mit dem Essen klappte plötzlich viel besser. Ich fühlte mich endlich nicht mehr kontrolliert. Konnte selbst entscheiden, was ich essen wollte und wann und wieviel. Endlich konnte ich anfangen, selbst auf meinen Körper zu hören.

Beim Besuch bei meiner Familie, stellte ich wieder fest, dass das mit dem Essen dort echt schwierig war. Aber nicht nur für mich. Auch für meine Schwester. Seit sie von ihrem Auslandsaufenthalt wieder daheim war und ziemlich abgenommen hatte, hagelte es nur noch Kommentare meiner Eltern bzgl. des Essverhaltens. Und ich hatte das Gefühl sie verteidigen zu müssen… (Meine Schwester & Ich – Kontrolle und Rebellion)

Mein Anerkennungsjahr fing an. Es war anstrengend. Das Team war nett, meine Anleiterin streng. Ihr schlechtester „Witz“ war folgender: “Guck mal, die ritzt sich!”
Gleichzeitig machte sie sich immer wieder um meine Gesundheit, bzw. mein Essverhalten Sorgen:
“Du bist manchmal so blass!… Aber jetzt isst du ‘was!”

Mit meinem Freund ging es auf und ab. Mal hatte ich das Gefühl, dass er mich über alles liebt, dann wieder, dass ich ihm total egal bin.
Mal hat er wieder mir im Rausch über sein schreckliches Leben geklagt oder mich beschimpft. Manchmal ging es ihm ziemlich schlecht… (Eiskalt: Ich muss stark sein für ihn!!!)
Und manchmal hatten wir auch schöne gemeinsame Stunden. Vor allem die letzten Wochen verliefen seit längerer Zeit mal wieder ganz gut.

Nur um Silvester fühlte ich mich dann sehr eingeengt. Ich war es nicht gewohnt, so lange mit jemandem auf Schritt und tritt zusammen zu sein. Da fühlte ich mich sehr schnell kontrolliert und somit überfordert.

Mein Freund bekam in manchen Situationen immer wieder ein Schweigen von mir zur Antwort. („Red doch endlich mit mir!”)
Denn immer wenn es mir zu persönlich wurde, ich Gefühle wie Wut oder Enttäuschung in mir hatte, konnte ich das nicht sagen. Mein Mund war zu. Ich war blockiert. Ich konnte nur schweigen. Doch wer versteht das schon?
Doch einmal war er sehr nahe dran: “Das nennt sich Mutismus, habe ich neulich im Fernsehen gesehen…”

Ich überstand die erste der beiden praktischen Prüfungen in meinem Anerkennungsjahr. Und das mal wieder ziemlich gut. Darüber war ich sehr, sehr froh und erleichtert. 🙂 Meine Praxislehrerin zeigte mir aber mal wieder das „Gedankenschmiedin-Problem“ auf: mein ständiger Perfektionismus. So dass ich ihr zu wenig Dinge nennen konnte, die ich gut gemacht hatte… 😛

Meine erste Eingewöhnung eines Kindes stand bevor. Auch das bekam ich trotz Versagensängste ziemlich gut hin. Und Mutter und Kind waren zufrieden. 🙂

Irgendwann ging es dann wieder bergab. Die Aufgaben der Schule wuchsen und mit ihnen die Versagensängste. Die Wochenenden verzweifelte ich fast voller innerer Schmerzen. Und so ging ich erneut einen kleinen Schritt in Richtung Hilfe. Ich schmiedete einen Plan und schrieb anonym einem meiner ehemaligen Lehrer – dem Lehrer*eine Mail von meinen Problemen.
Im Internet stand, dass man sich u.a. bei „persönlichen Problemen“ u.a. an ihn wenden könnte.
Dass er sein Amt als Verbindungslehrer nur 10 Tage vorher abgelegt hatte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht 😀
Naja, er schrieb mir trotzdem. Schlug mir mehrere Hilfemöglichkeiten vor. Auch ein persönliches Treffen. Aber ich konnte das einfach nicht. Es wäre mir zu schnell gegangen…

Und dann kam er in meinen Kindergarten, da er dort eine seiner Praktikantinnen betreute. Und ich verhielt mich mal wieder total peinlich, weil ich unauffällig wirken wollte, was so ziemlich in die Hose ging. So dass ich letztendlich sekundenlang blockiert vor ihm stehen blieb und mich nicht mehr bewegen konnte. 😦 (Du darfst jetzt bloß nicht auffällig wirken!)

Die Angst erkannt zu werden, stieg erneut (klick). Obwohl ich es mir vielleicht heimlich sogar wünschte. Vielleicht würde ich endlich darüber reden können. Endlich ein Stück nach vorn gehen können. Vielleicht irgendwann Hilfe suchen und annehmen können.
Ich schrieb ihm einige Tage nicht mehr, woraufhin er mir aber wieder schrieb.
Am Anfang war er „nur“ darauf aus, mir Hilfe zu vermitteln. Doch auch er merkte irgendwann, dass ich den Schritt noch nicht gehen konnte. Wusste nicht so recht, was er machen sollte.
Für mich schrillten die Alarmglocken. Für mich war das ein Zeichen, dass er mir nun nicht mehr schreiben wollte. Und so wollte ich den Kontakt beenden, bevor er es tat.
Doch er meinte, dass ich mich jederzeit wieder an ihn wenden könnte, es es mir guttun würde… 🙂
Im Hinterkopf hatte ich natürlich, dass seine (vermutliche) Frau Online-Beratung machte, für Jugendliche in Krisen… Genau dort, wo ich die letzten Jahre auch hingeschrieben hatte… Zufall…
Letztendlich schrieb ich ihm dann doch wieder. Und ich glaube er hat nun verstanden, dass das bei mir Zeit benötigt. Und er ist jetzt einfach nur „da“… Und eigentlich ist das ganz gut so. Wäre da nicht das schlechte Gewissen, ihm seine Freizeit zu berauben und die Angst, dass er mich doch bald „fallen“ lässt…

Die Weihnachtszeit & Silvester verschlimmerten meine innere Situation. Ich fühlte mich so unglaublich kontrolliert unter all den Menschen und hatte das Gefühl allein sein zu müssen…
Das mit dem Essen wurde wieder schwieriger. Ich fing wieder an mich zu verletzen. Das mit der täglichen (grundlosen) Angst wurde durch Vitamin B12- Tabletten plötzlich besser.
Mit den schulischen Dingen kam ich kaum noch hinterher. Seitdem werden die Versagensängste von Tag zu Tag schlimmer…

 

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass ich trotz der ganzen Scheiße (Essstörung, Angststörung, SVV, usw.), doch auch ein paar positive Dinge auf die Reihe bekommen habe:

– Prüfungen & somit schulischer Abschluss meiner Ausbildung
– Fachhochschulreife
– erste eigene Wohnung, trotz vieler Bedenken von anderen Leuten
– erste Monate meines Anerkennungsjahres & praktische Prüfung
– erste kleinere Schritte in Richtung Hilfe: Mailkontakte zu zwei Lehrern hergestellt; einer davon der (zumindest bis jetzt) noch anhält

Beim Bleigießen an Silvester, kamen zwei Tränen zum Vorschein. Hoffen wir das Beste für dieses Jahr…!!! ❤