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Eigentlich wollte ich schon die ganzen letzten Tage meine Gedanken niederschreiben. Aber es waren zu viele Gedanken, die da in meinem Kopf herumflogen. Ein riesiges Durcheinander, das ich nicht filtern konnte. Trotzdem finde ich es immer wieder erstaunlich, wie ich komplette Tage damit verbringen kann, von morgens bis abends nur still dazuliegen und auf Gedankenreise zu gehen…

Der Tag heute war total anstrengend.
Okay, immerhin habe ich eine Aktivität mit relativ vielen Kindern hinbekommen. Und es hat eigentlich (zu meinem Erstaunen) ganz gut geklappt.
Aber später… Die Kinder hatten heute alle ihren eigenen Kopf.
Und ich hasse diese bescheuerte Projektarbeit. Erstens passt sie so, wie die Schule das möchte, nicht in das Kindergartenkonzept. Und zweitens habe ich ständig im Hinterkopf, dass ich dazu eigentlich mit den Kindern nach draußen gehen sollte, um den Kindern in Verbindung mit anderen Institutionen/Objekten/Menschen/usw., Primärerfahrungen zu ermöglichen. Und das geht dank Sozialer Phobie – oder was auch immer – eben nicht!!!! Naja, ich muss das ganze verschriftlichen. Notfalls muss ich mir etwas zusammenreimen. Sonst kommt mir meine Praxislehrerin bald auf die Schliche. Perfektionismus, der Verdacht, ich hätte Angst Fehler zu machen, und dass ich ihr schreibe statt ihr anzurufen – alles Dinge, die ihr nicht in den Kram passen…

Heute kam endlich die langersehnte Antwort des Lehrers*! Hat er doch montags nun erst mal die nächsten Wochen frei. Wusste ich es doch…
Ich hatte ihm ja u.a. geschrieben, dass ich Angst hätte, dass man mich nicht ernst nehmen würde, wenn herauskommen würde, wer ich bin. Weil man die Dinge evtl. nicht von mir erwarten würde.
Er hat das natürlich gleich komplett auf sich bezogen. Versteht nicht, wie ich darauf komme. Und möchte wissen, wann er mir das Gefühl gegeben hätte, dass er mich nicht ernst genommen hätte.
Hat er nicht. Außer bei der Sache mit dem Blockiertsein beim Reden vielleicht. Weil er darauf nicht eingegangen ist und danach meinte, dass es kein großer Schritt wäre, auf ihn zuzugehen und ihm zu sagen, wer ich bin. Aber das kann ich ihm nicht schreiben. Zu peinlich…
So wie er diesen Teil insgesamt geschrieben hat, klingt es, als würde er sich total angegriffen fühlen (weil ich ihm seit…schreiben, ich stets Antworten erhalten und wie ich dann darauf kommen würde…)!
Vielleicht fühlst du dich auch einfach angegriffen?
Ja das auch. Woher weißt du das?
Ich kenne dich eben.  Aber ganz ehrlich: Nur noch ein Missverständnis nach dem anderen in diesen Mails…
Er ist nicht darauf eingegangen, dass ich mir kürzlich vorgenommen hatte, ihm mitzuteilen, wer ich bin. Auch nicht darauf, dass ich nicht wissen würde, ab wann Essstörungen als massives selbstschädigendes Verhalten zu sehen wäre (weil er ja geschrieben hatte, dass er bei „massivem selbstschädigendem“ Verhalten, Dritte einschalten müsse).
Dann solltest du es erst recht lassen, mit ihm zu reden, wenn du nicht weißt, wann er wen einschalten würde…
Dazu, dass ich alles nur gegen mich selbst richte, hat er aber noch etwas geschrieben: Was passieren müsste, dass ich anders mit mir umgehen könnte…
Gute Frage… Wahrscheinlich müssten die innere Spannungen weg, soll heißen, ich müsste anders mit meinen Gefühlskram umgehen können!? Geht aber schlecht. Außer schreiben und das tue ich bereits. Reden geht nicht, da verstumme ich… Aber dazu werde ich nichts mehr schreiben. Er versteht es ja doch nicht. Vielleicht erlebt er es eines Tages selbst und dann versteht er es entweder, oder eben nicht…!!

Dass das mit den Gefühlen bei mir ein großes Problem sein muss, ist mir irgendwie schon klar. Auch darüber mache ich mir manchmal so meine Gedanken. Nicht nur, dass sich das bei mir alles anstaut, weil es anders nicht „raus“ kann. Auch diese zwischenmenschlichen Dinge. Das Verhältnis z.B. zu meinen Eltern war immer sehr kühl & distanziert. Vor allem aber von meiner Seite aus. Ich konnte keine Gefühle zeigen. Nicht ihnen gegenüber. Habe mich nicht von ihnen umarmen lassen. Bis heute nicht. Auch nicht zum Geburtstag oder so. Es geht nicht.
Aus heutiger Sicht denke ich, dass meine Bindung zu meiner Mutter als kleines Kind, vielleicht auch nicht so berauschend war. Immer wenn ich zum Onkel Doktor musste, so hat sie da etwas geflunkert, bzw. mir nichts davon gesagt, damit ich kein „Theater“ mache. Vielleicht war das Vertrauensverhältnis nicht so besonders gut. Ich weiß es nicht.
Auch dass ich mich im Kindergarten als 4-Jährige beim Abholen auf den Boden geworfen habe und nicht mitgehen wollte, bzw. mich jedes Mal am Eingang umgedreht und mir mit den Händen das Gesicht verdeckt habe, gibt mir zu denken. Das war nur bei meiner Mutter der Fall. Kam mein Vater, gab es kein „Theater“.
Zuhause habe ich später stets nur Krimis gelesen und das jede Menge, bis meine Eltern Angst hatten, ich könnte kriminell werden. Irgendwelche Liebesgeschichten gingen nur heimlich. 😛 Sie durften nicht wissen, dass ich so etwas wie Gefühle überhaupt besaß. Und so geht es mir jetzt mit meinem Freund auch. Ich kann ihnen den nicht vorstellen. Sogar den Fernseher, den er mir von nem halben Jahr geschenkt hat, verstecke ich jedes Mal im Schrank (!), wenn meine Eltern wegen irgendetwas mal kurz vorbeikommen. Nur um nicht auf ihn angesprochen zu werden. Jedes Mal wenn sie auf ihn zu sprechen kommen, blocke ich ab. Mein Gesichtsausdruck wird kalt. Als müsste ich ihn vor ihnen schützen. Und als hätte ich keine Gefühle. Irgendwie krank!?
Hat eine Freundin früher geweint, konnte ich sie nie trösten. Bloß keine Gefühle zeigen, schien irgendwie meine Devise gewesen zu sein.
Meinem Freund gegenüber ist es anders. Da geht das schon besser. Wobei Gefühle benennen schwierig ist. Und negative Gefühle zeigen auch. Und darüber reden geht gar nicht, da verstumme ich…
Bei den Kindern im Kindergarten geht es eigentlich einigermaßen. Aber manchmal denke ich da auch, ein bisschen mehr Feingefühl & Empathie könnte nicht schaden… 😉

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