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Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht. Nichts klappt momentan. Ich weiß nicht was ich machen soll. Und ich habe noch keine Ahnung, wie sich so viele Dinge in meinem Leben in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten und Jahren entwickeln werden…

Nachdem ich neulich so schnell 4 Kg abgenommen habe (dadurch, dass ich einige Tage kaum etwas gegessen habe), haben sich die  Zahlen in meinem Kopf wieder verändert. Die Forderungen, die ich an mich selbst stelle. Ein halbes der schnell verlorenen Kilos habe ich schon wieder drauf… Meine Hose kommt mir schon wieder so viel enger vor…
Die Zahl jetzt ist nicht gut. So, wie sie vor wenigen Tagen war, war sie eher okay. Da musst du wieder hin. Alles andere ist zu fett. Du darfst nicht wieder zunehmen…
Denn jetzt, wo deine Panik wieder weg ist und du ein halbes Kilo mehr hast… Jetzt hast du keine Probleme mehr. Warum hast du dich nochmals neulich auf ein Gespräch mit Lehrer und Frau von der Beratungsstelle eingelassen? Das ist total lächerlich, Gedankenschmiedin! Du hast doch nichts! Hast alles nur etwas vorgemacht. Eigentlich hast du doch nichts…
Neulich ging das so einfach, das Abnehmen. Aber ich kenne das ja schon aus den letzten Jahren. Nach einiger Zeit hungern, kommt dann wieder die Fressphase, wie immer. Heute war es mal wieder richtig schlimm. Musste es loswerden. Seitdem bin ich körperlich wieder sehr erschöpft. Bin erst mal eingeschlafen. Bin sehr schwach. Der Hals schmerzt. Geht immer weiter kaputt. Könnte jetzt schon wieder fressen und es danach loswerden… Der gefürchtete Kreislauf fängt wieder an. Ich hasse es. Ich hasse es so sehr. Mache es doch jetzt schon Jahre mit… Es ist einfach alles zu viel in letzter Zeit. Ich glaube, ich bereue es sogar, dass ich den Schritt neulich (Lehrergespräch, Gespräch in Beratungsstelle) gegangen bin. Weil mich das alles noch mehr aufwühlt und fertig macht und gerade nichts bringt.

Ich höre mir immer wieder die Aufnahme an, vom Gespräch mit dem Lehrer. Es war so peinlich. Und gleichzeitig wünsche ich mich wieder in die Gesprächssituation zurück. Hätte wahrscheinlich einfach gerne jemanden zum Reden. Jemand der direkt ausspricht was er denkt, so dass ich gar nicht fähig dazu bin, ihm etwas vorzuspielen.
Klar, er meinte, ich hätte ja seine Adresse und ich könne ihm schreiben. Und ich würde das so total gerne auch zukünftig tun. Aber trauen würde ich mich ja doch nicht mehr. Weil er jetzt weiß wer ich bin. Weil er dann denken könnte, warum ich ihm überhaupt noch schreibe, wenn er mich doch jetzt an die Beratungsstelle vermittelt hat, usw… Und weil ich vor allem Angst hätte, ihn zu nerven…

Meine eventuell zukünftige Beraterin hat sich gestern gemeldet und wir haben einen Termin für morgen Nachmittag ausgemacht. Die Tatsache, dass die gute Frau sich am Telefon total unsicher angehört hat (ich dagegen kam mir irgendwie ultra selbstsicher vor in diesem Moment) und dass sie gerade einmal knapp 2 Jahre älter ist als ich, lässt mich gewaltig zweifeln. Und eine Stimme in mir sagt, dass ich ihr etwas vorspielen werde. Dass sie nicht erkennen wird, wie es mir wirklich geht. Und dass ich vielleicht auch erst gar nicht mit ihr reden können werde…
Auch werden mir diese wöchentlichen Beratungen glaube ich zu wenig sein. Die andere meinte neulich ja, sie würde mich zusätzlich gerne an eine Beratungsstelle mit Schwerpunkt Essstörungen vermitteln. Aber das muss bis nach der Prüfung warten.

An die Prüfung darf ich nicht denken. Habe immer noch nicht gelernt. Bin so müde und schwach nach der täglichen Arbeit im Kindergarten. Kann mich nicht konzentrieren. Wie soll ich das schaffen? Es sind nur noch wenige Tage. Am Dienstag ist die Prüfung und ich muss jeden Tag arbeiten und habe mir noch keinen Stoff erarbeitet und gelernt. Ich weiß nicht, wie ich reagieren werde, falls ich durchfallen werde… Denn dann stehe ich fast vor dem Nichts… Okay, man kann einmal wiederholen (muss dann evtl. das ganze Jahr wiederholen). Aber für mich steht einfach fest, dass ich es nicht schaffen werde. Und ich kann es fast nicht mehr hören, dass alle in meiner Umgebung meinen, dass ich das hinbekomme. Sie wissen nicht, wie es mir momentan geht. Was ich für Probleme habe oder nicht habe. Dass ich mich seit Jahren nicht konzentrieren kann und mich selbst ständig so unter Druck setze, dass ich vor Angst komplett blockiert bin.

Deshalb ist es mir auch gerade zu viel, dass meine Anleiterin sich dauernd wegen meinem Vertrag mit mir in Verbindung setzt. Ich mit den Verantwortlichen verhandeln soll, weil die Bedingungen nicht die sind, die mal genannt wurden. Aber ich weiß auch, dass ich mir ziemlich viel gefallen lasse, egal wie es ist…
Ich kann momentan nicht an den Vertrag für nach meinem Anerkennungsjahr denken. Weil in meinem Kopf ein anderer Film abläuft. Nämlich der, dass ich die mündliche Abschlussprüfung nicht bestehen werde und somit dieser Vertrag auch nicht gebraucht wird…

Es ist war. Viel zu warm. Alle Menschen sind draußen in Kleider, Röcken, kurzen Hosen und T-Shirts. Überall unversehrte Arme die ich voller Neid erblicke. Leute die frei entscheiden können, welche Kleidung sie tragen möchten. Menschen, die keinen Fragen und Kommentaren  ausgesetzt sind, bzgl. ihrer langen Kleidung. Wie überlebe ich die nächsten Wochen?
Ich hasse den Sommer. Seit 7 Jahren hasse ich ihn. Davor habe ich ihn geliebt…

Mein Freund schreibt immer wieder. Wie es weitergehen soll. Dass er sich das mit uns anders vorgestellt hat. Dass wir zu wenig Zeit miteinander verbringen und zu wenig miteinander unternehmen. Dass er Bedenken hat, dass ich nicht glücklich mit ihm bin und er mir nicht gut tut. Mich immer noch liebt. Ein schlechtes Gewissen hat. Es gerade schwierig für ihn ist…
Um ihm meine Situation verständlicher zu machen, müsste ich ihm erklären, dass ich immer noch Essstörungen habe, ständig Angst habe und es für mich schwierig ist, die Initiative zu ergreifen und nach draußen zu gehen. Dass ich mich isoliert habe. Dass ich viel Zeit für mich allein brauche und mich abgrenzen muss. Dass ich mir mittlerweile nicht mehr sicher bin, ob das mit uns Zukunft hat. Weil wir so verschieden sind. Weil ich keinen Freund möchte, der ständig betrunken ist, mich beschimpft, gewalttätig ist, Drogen nimmt und einen kriminellen Freundeskreis hat. Weil ich vielleicht eigentlich ursprünglich mal Kinder haben wollte, aber eben nicht so. Es hat sich vieles verändert. In letzter Zeit waren einfach wieder so viele Enttäuschungen und Verletzungen, dass ich kaum mehr irgendwelche liebenswerte Eigenschaften aufzählen könnte, die er hat. Das ist mir die letzten Tage so bewusst geworden. Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht bin ich auch einfach momentan zu blockiert und zu durcheinander. Aber es tut weh…

Es ist mir einfach gerade alles zu viel. Ich kann nicht mehr. Ich weiß nicht was tun. Alles wächst mir über den Kopf. Das Leben hört einfach nie auf, kompliziert zu sein…