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Drogen. Ich hasse sie. Ich hasse sie wie die Pest!!!!!! Klar, ich habe ihre positiven Auswirkungen nie persönlich kennen gelernt. Vielleicht habe ich gut reden. Aber wenn ich sehe, was sie mit einem Menschen machen können… Das tut weh. Es macht kaputt. Es macht einfach alles kaputt…

Die letzten Wochen habe ich vom seltsamen Verhalten meines Freundes geschrieben. Er stand komplett neben sich. Und ja, ein Teil von mir war sich sicher, dass er wieder etwas genommen haben musste… Ein anderer Teil wollte es aber nicht wahrhaben, war wieder zu gutgläubig und hat blind auf die Richtigkeit der Worte vertraut.
Ich wollte nicht mehr bei ihm sein. Wollte ihn nicht mehr sehen. Es hat nur non weh getan, weil ich das Gefühl hatte, den Menschen vor mir nicht mehr zu kennen. Ich wollte meinen alten Freund zurück. So wie ich ihn kannte…

Vorhin war er da. Und zumindest ein großer Teil von ihm, war wieder einigermaßen „normal“. Darüber war ich sehr erleichtert…
Und wir haben geredet. Bzw. er hat mir viel erzählt.
Er hatte sich wohl künstliches Cannabis im Internet bestellt. Legal. Vielleicht hatte er mit Absicht etwas gesucht, das legal war. Schließlich liegt die letzte Hausdurchsuchung, bei dem sie geringe Mengen anderer Stoffe gefunden haben, noch nicht all zu lange zurück.
Vor über zwei Wochen hat er dann diese künstliche Substanz geraucht. Doch die Nebenwirkungen waren fatal.  Er hat sich sehr lange erbrochen. Irgendwann stand er regungslos auf dem Flur, wo ihn zum Glück sein Vater in der Nacht entdeckt hat. Dann hatte er drei Stunden lang Krampfanfälle am ganzen Körper. Er hat seine Mutter gebeten, bei ihm am Bett zu bleiben. Erst wollte er freiwillig den Notarzt rufen. Die Angst, dann in der Psychiatrie zu landen, war dann aber doch größer…
Seine Eltern sind ja dann in den Urlaub gegangen (auch wenn sie erst nicht mehr wollten). Und es ging ihm weiterhin schlecht. Er war immer müde, schwach, hat erbrochen, hatte starke Unruhe in sich, hatte kein Zeitempfinden, kann sich an kaum etwas erinnern, war total verwirrt, war unkonzentriert, hatte Schweißausbrüche, seine Sinneswahrnehmung war anders und vieles mehr. Bzw. es ist nun besser, aber noch lange nicht gut. Die meisten dieser Symptome hat er seitdem immer noch, wenn auch in abgeschwächter Form. Schlimm, wie lange so etwas anhält…
Er war zu schwach für alles. Hat Verabredungen nicht eingehalten und jetzt sind seine Freunde alle sauer auf ihn. Mich hatte er ja auch versetzt, bzw. er hatte das mit der Uhrzeit einfach nicht im Griff.
Ich war ja auch total irritiert, weil er so unglaublich schwach und müde war. Und dass er beim Reden seinen Mund vor Schwäche kaum aufbekommen hat. Dass er mich so angeschnauzt hat. Dass er sich überschätzt hat. Dass sein Blick so seltsam war. Ich kannte ihn nicht mehr, diese letzten Wochen.
Auch diese Angst und Panik, jemand könnte einbrechen und ihn umbringen – ich denke schon, dass es gut möglich ist, dass dieses Zeug das ganze extrem verstärkt hat.
Und wenn er dann noch getrunken hat und so…

Ich habe nur wenige Artikel vorhin über diese synthetischen Drogen gelesen. Man muss wohl nur kleinste Strukturen verändern und schon sind diese gefährlichen Stoffe legal. Sie wirken um ein vielfaches stärker, machen abhängiger und sind weitaus gefährlicher als pflanzliches Cannabis. Bzw. besonders die Langzeitfolgen davon sind noch zu wenig erforscht.
Nebenwirkungen (neben entspannender und stimmungsaufhellender Wirkung) können aber z.B sein:
Verstärkte Sinneswahrnehmung, gesteigertes Kommunikationsbedürfnis, Starke Übelkeit, heftiges und langandauerndes Erbrechen, Kopfschmerzen, Schweißausbrüche, Angstzustände, Verwirrtheit, Panikreaktionen, Verfolgungswahn, depressive Verstimmungen, Bewusstlosigkeit, Kreislaufprobleme, Herzrasen und Herzrhythmusstörungen, Gleichgewichtsstörungen, akute psychotischen Zustände, Krampfanfälle, Kaliummangel (–> Müdigkeit, Muskelschwäche), hoher Blutdruck, krankhafte Unruhe, Aggressivität, gewalttätiges Verhalten, Vergiftungserscheinungen, Koma…

Er war immer noch total unkonzentriert. Wusste nicht, was die letzten Tage war. Hatte Schweißausbrüche. Sein Blick war immer noch seltsam. Aber er war nicht mehr so schwach körperlich.
Er hat geweint, als er mir das alles vorhin erzählt hat. Weil er einfach nichts in seinem Leben auf die Reihe bekommt. Weil er angeblich nichts daran ändern kann…
Und ich musste wieder stark sein für ihn. Wurde innerlich kalt. Saß wieder hilflos da. Wurde immer stiller und stiller. Habe ihn in den Arm genommen. Ihm gesagt, dass ich froh bin, dass es ihm jetzt wieder besser geht. Weil ich mir Sorgen gemacht habe, weil er so seltsam war und es ihm nicht gut ging…
Er meinte, dass er sich eben auch immer total die Sorgen um mich machen würde. Dass es mir nicht gut geht. Dass er ständig denkt, dass ich gerade mit nem anderen Typen zusammen bin (wozu ich ihm ja eigentlich keinen Grund gebe). Sich in diese Gedanken total hineinsteigert. Unruhig ist. Nachts nicht schlafen kann.
Dass es mir gut gehen würde, habe ich ihm gesagt und gleichzeitig daran gedacht, wie ich nach dem Besuch meiner Familie gestern, wieder kotzend über der Toilette hing…

Dass ich wieder so still wäre, meinte er. Ob es mir gut gehen würde. Ob es mir wirklich gut gehen würde. Er würde das nicht glauben.
Ob ich ihm noch etwas erzählen möchte.
Kann sie nicht, wenn es dir so schlecht geht und auch so…
Ob ich mit meinen Eltern oder meiner Schwester über ihn reden würde. Ob ich überhaupt mit ihnen reden würde.
Dass ich mit denen nicht viel rede und über nichts persönliches reden kann, meinte ich nur…
Sie muss sich schützen. Sie kann ihre Familie nicht näher an sich ranlassen. An ihre Gefühle. Es geht nicht. Und sie will es auch nicht…
Dass es aber wichtig wäre, über Dinge zu reden, meinte er. Wenigstens mit ihm könnt sie das doch tun, fügte er hinzu.

Ich habe das mit dem Drogenscheiß meiner ehemaligen Nebensitzerin geschrieben. Die einzige in meinem Umkreis, die von den Problemen meines Freundes weiß. Sie ist wieder genervt. Das weiß ich. Weil sie mir nur zum 3438434. Mal dazu rät, mit meinem Freund Schluss zu machen…
Aber ich würde ihn nicht hängen lassen. Ich könnte das nicht. Nicht jetzt. Jetzt wenn er wieder einigermaßen „normal“ ist. Jetzt, wenn er mir alles erzählt hat. Jetzt, wenn er mich braucht.
Ich habe auch meine Probleme. Ich lasse niemanden hängen, nur weil er Probleme hat…
Auch wenn es schlimm ist, was ich heute von meinem Freund erfahren habe, bin ich erleichtert. Weil ich weiß, was Sache ist. Und trotzdem bin und bleibe ich hilflos…

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Hilflos kam ich gestern wohl auch meiner Arbeitskollegin vor…
Jedenfalls war heute Team. Wir kamen auf einen Vater eines Kindes zu sprechen. Dann meinte sie doch tatsächlich, dass der mich gestern ja unglaublich schlimm angestarrt hätte, als er in der Garderobe saß um seine Tochter abzuholen.
„Ich dachte wirklich, der würde dich auf der Stelle komplett ausziehen!“
Schluck. Was faselte sie da? Er hatte sie angestarrt?
„Das ging die ganze Zeit so! Das konnte ich wirklich nicht mit ansehen, ich hatte wirklich das Gefühl, dass ich dich beschützen muss..“
Deshalb hatte meine Kollegin sich gestern bei der Verabschiedung neben mich gesetzt und mit dem Vater gesprochen. Ich hatte mich noch gewundert…
Dann hat sie angeblich auch noch einen Kommentar abgelassen, von wegen, ob er aber schon mal eine Frau gesehen hätte, oder so in der Art…
Oh man so peinlich. Dabei kann das alles gar nicht sein!
Stimmt. Bist viel zu hässlich. Geht bei dir gar nicht….
Ich bin bestimmt rot angelaufen, als sie mir und den anderen Kolleginnen das alles erzählt hat. Es war mir so peinlich. Und die ganze Spekulationen und den Vergleich des Aussehens von mir mit seiner Frau…
Schluck. Und ich war und bin immer noch so erschrocken darüber, dass ich von all dem nichts mitbekommen hatte. Klar, ich war mit dem Anziehen der Kinder beschäftigt. Aber kann man wirklich so blind sein? Wenn man täglich das Gefühl/ die Angst hat, von allen Leuten im Bus, in der Stadt usw. angestarrt zu werden und aufzufallen…. Und dann wird man tatsächlich angestarrt und bekommt es nicht mit???
Ich kann nur hoffen, dass ich zukünftig nicht die Krise bekomme, wenn ich dem Typen begegne…
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Das war jetzt wirklich genug für heute. Muss versuchen jetzt irgendwie zur Ruhe zu kommen. Aber das ist leichter gesagt, als getan…

2.43 Uhr:
Bin am Verzweifeln. Seit langer Zeit zumindest wieder ein bisschen am Heulen. Am Essen reinstopfen. Verstehe dieses scheiß Leben einfach nicht. Das mit meinem Freund nimmt mich jetzt doch mehr mit, als ich vorhin noch dachte. Ich weiß einfach nicht, wie das alles weitergehen soll. Ich kann nicht mehr. Ich kann einfach nicht mehr… Weiß nicht was ich machen soll.
Wenn ich wenigstens wieder mit dem Lehrer schreiben könnte. Aber nein, das geht ja auch nicht. Ist mir ja alles zu peinlich, jetzt wo er weiß wer ich bin…