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Nun habe ich also eine neue Beraterin. Gestern hatten wir den ersten Termin.
Sie ist älter als die ehemalige Beraterin (hat eine Tochter in meinem Alter) und hat mehr Erfahrung. Sie lacht nicht laut auf, über Dinge, die nicht lustig sind. Wir siezen uns und sind nicht per du. Diese Dinge finde ich besser.
Auf der anderen Seite ist sie sehr direkt, was ich einerseits gut finde und was mich glaube ich andererseits schnell verletzen kann…
Am Anfang war das Gespräch etwas zäh. Sie wusste noch nicht viel über mich. Aber in der einen Stunde, habe ich ihr glaube ich sehr vieles erzählt. Habe es einfach rausgehauen. Die Dinge wie sie sind, auf den Tisch gelegt. Gefühle abgestellt, dann ging das irgendwie ganz gut.
Aber verstehen kann sie viele Sachen auch erst im Laufe der Zeit. Z.B. wie eingeschränkt ich bin oder wie komplex Angst & Essstörung sein können und was das für meinen Alltag bedeutet… z.B. meinte sie irgendwann (weil ich mit meiner ehemaligen Beraterin auch manchmal im Park war), dass wir auch mal rausgehen könnten. Kaffeetrinken oder so. Erstens trinke ich das nicht und zweitens erst recht nicht in der Öffentlichkeit (Aber ich nehme ihr das nicht böse. Sie weiß ja noch nicht viel über mich und kann nicht verstehen, wie komplex das alles ist.).
Zu sehr direkt war sie vielleicht bei der Sache mit meinem Freund. Meinte, dass sich das für sie eher nach Freundschaft wie Beziehung anhört (weil ich meinte, dass wir uns zweimal die Woche sehen und mir mehr, zu viel ist) – nein, Freundschaft ist das definitiv nicht… Dann die Frage nach Intimität…
Sie hat auch Fragen gestellt, bei denen ich dachte, dass sie bestimmt gerade gedanklich eine Liste möglicher Anzeichen, die für Borderline sprechen könnten, durchging… Manche Dinge, die so absolut gar nicht auf mich zutreffen…
Sie will nächstes Mal noch mit mir schauen, wie ich emotional zu meinem Umfeld stehe… Keine Ahnung, was sie da genau besprechen möchte, was sie noch nicht von mir erfahren hat. Aber alles was mit dem emotionalen Bereich zu tun hat, würde ich als „schwierig“ einstufen…
Insgesamt war das Gespräch aber okay. Und es tat gut, wieder ein bisschen „Ballast“ abzugeben. Trotzdem werde ich mich erst an sie gewöhnen müssen, weil sie schon ein bisschen anders tickt, als meine ehemalige Beraterin…

Jetzt, wo meine Bauchschmerzen viel besser geworden sind, kann ich auch mit der klarer denken. Langsam realisiere ich, was am Wochenende vorgefallen ist. Es ist mir peinlich, dass mein Freund und ich den Notarzt gerufen haben. Wäre es nicht auch ohne ihn gegangen? Die Ärztin hat ja eh kaum etwas gemacht. Auf der anderen Seite denke ich, dass ich wirklich verzweifelt gewesen sein musste vor Schmerzen usw. Sonst hätte ich das alles niemals freiwillig über mich ergehen lassen. Denn sonst meide ich Ärzte ja bekanntlich.
Und wisst ihr, was mir direkt in den Kopf kam, als mir klar wurde, dass ich jemanden um Hilfe bitten muss? Das meine Wohnung nicht aufgeräumt war. Dass meine Haare nicht gewaschen waren. Usw… Alles Zustände, bei denen ich sonst nie jemand in die Wohnung gelassen hätte…
Und ich wollte absolut nicht, dass meine Eltern etwas davon mitbekommen. Ich hätte sie glaube ich auch nicht informiert, wenn ich in’s Krankenhaus gemusst hätte…
Der Ärztin (die ca. 30 min nach dem Anruf kam), habe ich, glaube ich, ziemlich blöde Antworten auf ihre Fragen gegeben. Als sie z.B. meinte, dass mein Blutdruck vermutlich immer etwas niedrig wäre, habe ich ihr zugestimmt. Dabei ist der sonst zu hoch oder kurz davor. Ich konnte einfach nicht denken…

Ich bin aber meinem Freund so unglaublich dankbar, dass er für mich da war. In letzter Zeit konnte ich mich kaum auf ihn verlassen. Denn er war in seinem Drogen-Chaos versunken. Er war nicht er selbst. Ich war so oft am Ende mit den Nerven wegen ihm. Es ging ihm nur noch schlecht. Er hat die letzten Tage nur noch herumgenörgelt. Ich habe es kaum ertragen.
Aber vergangenes Wochenende habe ich gemerkt, dass er zu mir steht und dass ich mich auf ihn verlassen kann, wenn es hart auf hart kommt… Er ist gleich gekommen, als es mir nicht gut ging. Er hat sich so lieb um mich gekümmert. Ohne ihn wäre ich verloren gewesen. Konnte absolut nicht aufstehen, konnte mich ja nicht mal im Bett drehen… Und ich habe ihm vertraut. Warum kann dieses Gefühl nicht immer da sein?

Vielleicht ist es ungewöhnlich, sich mit 24 Jahren noch nie einer gynäkologischen Untersuchung unterzogen zu haben. Aber ich meide eben Ärzte. Denn da sind so viele Narben auf meiner Haut…
Doch nach den starken Schmerzen am Wochenende habe ich mir geschworen, dass es so nicht weitergehen kann. Wer weiß, wo ich sonst das nächste Mal umkippe…
Ich habe lange herumtelefoniert, fast alle Arztpraxen nehmen niemanden mehr auf.
Meine ehemalige Nebensitzerin hat mir dann in einer anderen Stadt eine Ärztin empfohlen. Eigentlich hätten sie erst im November wieder Termine frei, meinte die Arzthelferin. Zufälligerweise hat für heute Abend jemand abgesagt.
Heute muss ich also dort hingehen. Was wenn ich es nicht finde?
Meine ehemalige Nebensitzerin meinte, dass die Ärztin viel reden würde und auch ein wenig neugierig wäre. Was, wenn sie mich auf meine Narben anspricht? Das wäre SCHLIMM!… Alles andere ist mir eigentlich egal…

Unsere neue Kollegin ist für zwei Wochen krank geschrieben (ich tippe irgendwie auf etwas psychisches und bin gespannt, ob sie danach wieder kommt und wie lange). Die FSJ-lerin ist auch nicht da. Bedeutet noch mehr Stress die nächsten Tage…

Hoffentlich laufe ich M. nicht gleich über den Weg. Aber die letzten Tage habe ich ihn auch nicht gesehen. Vielleicht ist er krank. Vielleicht auch besser so. Wer weiß, was von ihm als nächstes kommt… Meinen Freund sollte ich trotzdem bald mal erwähnen…

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