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Ich fühle mich nicht als Frau. Auch nicht als Mann, bitte nicht falsch verstehen. Aber ich kann mich selbst einfach nicht als Frau bezeichnen. Das hört sich für mich seltsam an. Ebenso, wenn andere mich als Frau betiteln…
Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass mich viele andere Leute immer viel zu jung einschätzen. Ständig werde ich geduzt. Ärzte machen das z.B. besonders gerne. Manche siezen mich auch nur anfangs, vergessen mein Alter dann aber und sprechen mich nach nur wenigen Sätzen mit „du“ an.
Immer wieder erinnere ich mich auch an einen Vorfall vor wenigen Jahren.  Ich hatte in einem Geschäft offene Schuhe anprobiert, mit maximal 5cm hohen Absätzen. Die Verkäuferin wollte mir davon abraten. Sie seien schließlich  nicht altersgerecht… Als ich an der Kasse war um ein anderes Paar Schuhe zu bezahlen, bekam ich noch einen Lipstick-Lolli dazu. Danke aber auch…
Fühle ich mich also nicht als Frau, weil andere mich jünger einschätzen? Weil ich mich mal wieder von der Meinung anderer abhängig mache? À la du siehst nicht aus wie eine Frau, also bist du auch keine!??
Ich weiß, dass Essstörungen auch etwas damit zu tun haben können, dass die weiblichen Wesen unter ihnen, keine Frau werden wollen, bzw. sich die Zeit (der vielleicht) unbeschwerteren Kindheit herbeiwünschen usw…
Aber bei mir? Habe ich wirklich ein Problem damit eine Frau zu sein und kein Kind mehr? Spontan würde ich dem nicht zustimmen… (Außer bei der Sache mit der breiteren Hüfte usw. vielleicht…).
Klar, es ist bestimmt nicht böswillig gemeint und bei manchen Menschen kann man das Alter eben nur schwer einschätzen. Aber ich möchte mit „Sie“ angesprochen werden und empfinde es als unhöflich und respektlos, wenn Leute das in gewissen Situationen nicht tun. Ich fühle mich dann schlichtweg nicht ernst genommen.
Und ich hasse Sprüche darüber, dass ich doch froh darüber sein soll, dass ich jünger aussehe, als ich tatsächlich bin. Denn für mich ist das nichts Positives…

Die vergangenen Tage hat sich bei uns in der Kindertageseinrichtung eine eventuell zukünftige Praktikantin vorgestellt. Sie möchte die Einrichtung wechseln und bei uns ihr Anerkennungsjahr zu Ende machen. Eigentlich wollten wir eine ausgelernte Fachkraft. Wäre mir auch lieber gewesen, in der Hoffnung etwas von ihr lernen zu können. Aber da sich da momentan einfach niemand findet…
Ehrlich gesagt, war ich nicht begeistert davon. Schließlich wird sie die gleichen Aufgaben und Prüfungen haben, wie ich im vergangenen Jahr. Und ja, ich habe Angst, dass alles wieder hoch kommt. Es ging mir da so schlecht mit den Prüfungen. Die Angst vor dem Versagen war so riesig, dass ich komplett blockiert war, alle enttäuscht habe und nur gerade noch so bestanden habe.
Ihre Lehrerin kenne ich zum Glück nicht – ich hatte schon Panik davor, auf bekannte Gesichter zu treffen und auf mein „Versagen“ angesprochen zu werden…
Die Praktikantin wird sich meine Unterstützung wünschen. Sie muss lange eingearbeitet werden. Wird ihre Prüfungen und Aufgaben haben. Es wird anstrengend. Und ich werde mich immer daran erinnern, wie ich (in meinen Augen) versagt habe…
Und als sie neulich mal da war um sich alles anzuschauen, kam natürlich gleich: „Bist du auch Praktikantin hier?“ Kurz vorher hatte ich mich mit meiner Kollegin darauf geeinigt, dass wir sie siezen werden. Habe sie also weiterhin mit „Sie“ angesprochen. Sie blieb allerdings beim „Du“ (obwohl ich garantiert älter bin als sie).
Warum merkt sie das nicht!??
Und wieder hatte ich das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden und empfand es als unhöflich. Habe es wahrscheinlich total überbewertet…
Und vielleicht tu ich mich auch allgemein schwer, eine neue und fremde Person in meine „Sicherheitszone“ (=Arbeit, da sie mir Struktur gibt und ich bei den Kindern – ohne Erwachsene – auch ohne Angst bin) zu lassen…
Meine Kollegen fanden sie nämlich wohl ganz in Ordnung…

Okay, zusätzlich hatte ich an dem Tag als uns die Praktikantin besucht hat, auch wieder ziemliche Schmerzen und hatte große Mühe zu stehen. Mein Befinden war also sowieso schon nicht das Beste.
Neulich ging es mir ca. 4 Tage ganz gut, zumindest im Sitzen. Doch Mitte der Woche ging es dann wieder los. Die Krämpfe sind gerade weniger. Aber wehe ich muss mehrere Minuten an der Bushaltestelle, in der Küche oder unter der Dusche stehen. Dann sind die Schmerzen doch recht stark…
Arbeiten ist teilweise so ein Kampf. Aber ich habe immer im Hinterkopf, dass ich muss. Egal wie es mir geht…
Es ist schwierig den Alltag zu bewältigen. Egal ob Arbeit, Haushalt oder Einkaufen.
Ich denke, dass ich kommendes Wochenende mal wieder in meinem alten Zimmer bei meinen Eltern übernachten werde. Ebenso, falls ich bald nochmals eine OP haben sollte und längere Zeit krankgeschrieben bin.

Diese Woche habe ich einen Arzttermin und den Termin in der Klinik. Endlich. Seit Wochen warte ich darauf und halte es teilweise kaum noch aus mit den Schmerzen. Und ja, ich habe Angst davor, die Details meiner Diagnose zu erfahren. Genauso wie vor weiteren OPs. Dass dann Organe oder Teile davon entfernt werden müssen. Und dass ich dann mit den Konsequenzen leben muss…
Auch habe ich Angst davor, dass die Ärzte nicht feinfühlig genug sind. Dass sie meine Schmerzen nicht ernst nehmen. Dass sie wegen den Schmerzen und der Diagnose auch meine psychische Verfassung hinterfragen werden. Die Narben sehen sie ja, da wäre leugnen zwecklos.. Aber mehr werde ich vermutlich nicht zugeben…

Beim letzten Gespräch mit der Beraterin durfte ich mir eine von vielen Karten aussuchen. Auf meiner steht, dass ich selbst Entscheidungen treffen möchte, weil sonst andere über mich entscheiden.
Ich habe diese Karte genommen, da das Thema Essen um Weihnachten und Silvester nochmals besonders präsent ist. Ich möchte selbst entscheiden wann, was und wie viel ich esse. Aber manchmal passe ich mich den Wünschen anderer an. Dann esse ich, weil sie es wollen, bzw. erwarten. Und weil ich nicht möchte, dass andere mich und mein Essverhalten bewerten…

Ich möchte nicht, dass andere über mich bestimmen.
Am Freitag habe ich mich für Samstagnachmittag mit meinem Freund verabredet.
Am nächsten Tag sehe ich, dass seine Schwester Geburtstag hat. Ob er dran gedacht hat? Er ist doch da immer so vergesslich…
Ich liege noch ungeschminkt und ungeduscht im Schlabberlook im Bett, als er mich anruft. Er würde mich in einer Stunde mit zu seiner Schwester mitnehmen, die hätte Geburtstag.
Hallo!?? Das kann er doch nicht bringen! Ich bin nicht so spontan. Ich muss alles geplant haben. Schon allein wegen dem Essen und wegen den ganzen Leuten. Er kann mich doch nicht immer so in’s kalte Wasser werfen…
Da meine Schmerzen aber sowieso zu groß waren, um weg zu gehen, hatte sich das für mich sowieso erledigt.
„Du hast auch immer ne Ausrede!“, meinte mein Freund.
Danke. Niemand nimmt meine Schmerzen ernst. Niemand. Man muss funktionieren in dieser Gesellschaft. Immer und überall…
Zugegeben, wäre es mir gut gegangen, hätte ich mir bestimmt eine Ausrede gesucht, um nicht mitkommen zu müssen. Aber ganz ehrlich, wenn er aber auch eine Stunde vorher damit kommt! Ich bin nun mal nicht so spontan, man! Und wenn er auch noch meint: „Du kommst mit!“ Da will wieder jemand über mich bestimmen. Und das ertrage ich nicht! Ich will selbst über mich entscheiden! Niemand darf mir das wegnehmen!!!!!!!!

Das nächste Thema mit der Beraterin wird darauf aufbauen. „Kontrolle“, meinte sie. Bin gespannt auf heute…
Hoffentlich ist unterwegs nicht wieder so viel los. Ist zur Zeit manchmal schwierig. Zur Vorweihnachtszeit reisen hier viel zu viele Leute an. Alle sind verrückt geworden und wie so oft dreht sich alles nur um’s Essen. Die Menschen verstopfen die komplette Innenstadt, inklusive dem Supermarkt und Drogerieladen, in die ich immer gehe. Ich hasse Menschenmassen…

Morgens wenn ich zur Arbeit fahre, hält sich das glücklicherweise noch in Grenzen.
Apropos… Die letzten Tage habe ich M. nicht all zu oft gesehen. Er ist mit dem Auto gefahren. Hat anscheinend auch noch nach mit Ausschau gehalten. Ich war aber etwas früher dran und somit vor ihm weg. Oh man, das wär’s ja noch gewesen. Der hätte garantiert darauf bestanden, dass ich mit ihm mitfahre. Und ich hätte das bestimmt auch noch gemacht, um nicht unhöflich zu wirken…
Am Freitag hat er mich nicht gesehen, als er sich in die andere Ecke der Bushaltestelle platzierte. Er hat Musik gehört. Ich hatte Schmerzen und mir war nicht so nach Reden. Dann dachte ich, ich sage nichts, er hört mich eh nicht. Naja, irgendwann waren alle anderen Leute weg und er hat mich dann doch gesehen. Danach durfte ich mir dann im Bus etwas anhören… 😛
„Warum sagst du denn nichts? Bist du wirklich soooo schüchtern? Jetzt haben wir doch wirklich schon so oft miteinander geredet…“, blabla.
Ich habe nur gegrinst. Was sollte ich auch sonst tun.
„Du musst lockerer werden!“, meinte er dann und wollte mich zum 834984. Mal dazu überreden, mit ihm etwas trinken zu gehen. Ob ich Alkohol trinken würde. Ich habe verneint. Warum nicht, wollte er wissen. Weil ich es nicht mag, meinte ich. Er hat meine Antwort seltsamerweise gleich darauf bezogen, dass Alkohol die Zunge lockerer macht, usw.. Und damit lag er goldrichtig. Eigentlich wollte ich auf den Geschmack hinaus, den ich zudem verabscheue. Aber ich glaube die Angst vor Kontrollverlust, bzw. Dinge von mir preis zu geben oder mich anders zu verhalten (wie ich mich nüchtern nicht verhalten würde), spielt da eine sehr große Rolle…
Danach meinte er, dass es ihm voll peinlich ist, aber er meinen Namen nicht mehr wüsste. Er könne sich nur die Namen merken, mit den Leuten, mit denen er auch mal feiern war… Ist klar… Letztendlich wusste er ihn doch noch. 😛
Auf seine Frage hin meinte ich, dass ich wieder Schmerzen hätte. Und er fragte mich, ob es psychisch wäre…
Booaahhh… Nur weil ich nicht jede Nacht feiern geh wie du, bekomm ich jetzt gleich wieder nen Stempel auf die Stirn, oder was? Ich habe doch die Diagnosen (die er nicht kennt).
Pass auf bei dem, sonst bröckelt deine Fassade aber wirklich bald mal…!
Er riet mir dazu keine Schmerzmittel zu nehmen. Wäre besser so. Seine Eltern seien Ärzte. „Vertrau mir!“
Hallooo!??? Du weißt nicht mal was ich habe!? Wenn ich nichts gegen die Schmerzen nehme, kann ich teilweise nicht aufrecht stehen oder aber mein Kreislauf bricht zusammen. Du hast keine Ahnung, also halte dich doch da bitte raus! Du bist ganz nett und irgendwie schräg drauf, aber manchmal gehst du zu weit!
Natürlich habe ich nichts gesagt. Aber wenigstens die Augenbraue nach oben gezogen…

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