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Noch immer bin ich bei meinen Eltern. Seit Donnerstag. Fragt mich nicht, wie ich das so lange aushalte.
Doch ich habe Schmerzen und hier muss ich mich wenigstens um keinen Haushalt kümmern oder einkaufen gehen, wodurch ich in dieser Hinsicht ein bisschen Entlastung erfahren darf.
Um mir Streitereien zu ersparen, verbringe ich sowieso die meiste Zeit allein in meinem alten Zimmer. Und die Schmerzen haben auch etwas positives. Dank ihnen kann ich mich auch an den Feiertagen von Familientreffen oder ähnlichem fernhalten. Muss mich nicht als einsamer Alien fühlen. Und ich bin auch nicht dazu verpflichtet, mich pausenlos mit Essen vollstopfen. Dadurch fühle ich mich wenigstens nicht ganz so überfordert, wie letztes Jahr…

Durch die freie Zeit die ich momentan habe, denke ich so unglaublich viel nach. Kann nicht alles in Worte fassen, denn das wären zu viele.
Mein altes Zimmer und die ganze Umgebung wecken Erinnerungen…

Wenn ich in meinem alten Bett liege, tauchen die Tüten voller schimmeligem Essen wieder vor meinen Augen auf. Wie sie da immer unter meinem Bett vor sich hingegammelt haben.
Das ist so widerlich, ich weiß. Aber das macht man ja nicht freiwillig. Seitdem ich in meiner eigenen Wohnung lebe, muss ich das ja nicht mehr machen. Da bekommt niemand mit, wann ich was und wie viel ich esse, ob es im Müll landet oder nicht…

Mein ehemaliger Nachbar besucht wohl momentan seine Familie. Ich habe sie gemeinsam zu einem Spaziergang aufbrechen sehen. Er Hand in Hand mit seiner Frau, die er ja mittlerweile geheiratet hat (und die mir übrigens etwas ähnlich sieht…).
Später mussten meine Eltern und meine Schwester bei ihrem Spaziergang natürlich ausgerechnet unseren Nachbarn über den Weg laufen.
Es folgte Dorfgetratsche. Seine Eltern erkundigten sich nach mir. Haben sich gewundert, dass ich nicht mitgelaufen bin. Und meinten, dass sie mich vermutlich schon gar nicht mehr erkennen würden, weil sie mich schon so lange nicht mehr gesehen hatten…
Es ist viele Jahre her, dass wir die letzten Worte miteinander gewechselt haben. Ob er manchmal noch an mich denkt? Ob er mich damals gesehen hat, als ich nächtelang, depressiv gestimmt, in meiner Ecke des Balkons saß?

Vor einiger Zeit hatte ich mir ja mal einen eBook-Reader gekauft. Für mich. Eigentlich kaufe ich nicht gerne Dinge für mich. Weil ich es nicht verdiene. Aber ich dachte immer wieder an früher. Eine Zeit in der ich ein Buch nach dem anderen verschlungen habe und stunden-, nein tagelang in andere Welten abtauchen konnte. Meine Konzentrationsfähigkeit war damals noch eine andere.
Irgendwann kamen die ganzen nervigen Schullektüren, die ich viermal lesen musste, bis ich auch nur einen Fetzen deren Inhalte für mich behalten konnte.
Bücher wirken auf mich inspirativ. Kurbeln mein Kopfkino an. Wenn es die „richtigen“ sind.
Es gibt fast nichts schlimmeres, als Worte ohne Inhalt. Denn davon gibt es bereits viel zu viele auf dieser Welt!
Mein Vater ist das beste Beispiel dafür, wenn er von morgens bis abends seinen Mund aufmacht, ohne dass er dabei auch nur einen vernünftigen Satz zustande bringt. Anstrengend ist das und traurig. Dann lieber weniger Worte. Stattdessen Worte mit Bedeutung. Worte mit Tiefgang.

Für mich habe ich die letzten Wochen festgestellt, dass ich lesen kann. Dass ich mich teilweise konzentrieren kann. Jedoch nur manchmal.
Erstens benötige ich Zeit. Ich muss viele Seiten am Stück lesen können. Und das geht nun mal im Alltag nicht immer. Trotzdem schweife ich immer wieder ab. Träume mich in meine Gedankenwelt hinein. Aber von Kapitel zu Kapitel wird das meistens dann etwas weniger.
Dann kommt es auf den Inhalt des Buches an. Dieser muss mich extrem ansprechen. Sonst kann ich mich nicht konzentrieren! Und da meine Gedanken nun mal sehr häufig um Essstörungen, SVV usw. kreisen, müssen die Bücher auch davon handeln. Die Protagonisten müssen ähnliche Dinge erleben wie ich oder Situationen erleben, wie ich sie mir in meinem Leben wünschen würde. Alles andere geht nicht. Ich bin und bleibe süchtig nach diesen Themen und sauge sie ein, als wären sie mein täglich Brot… Ob das alles dann so sinnvoll ist, und ob das nicht eher triggernd wirkt!?
Der Vorteil bei einem eBook-Reader ist es, dass man
keine viel zu persönlichen Bücher im Regal rumstehen hat. Niemand sieht, was du liest. Du kannst dir die Bücher kaufen, die dich wirklich interessieren! Ohne, dass andere Menschen durch die Werke in deinem Bücherregal, etwas daraus schließen könnten…
Und wenn der Schreibspiel dann noch einigermaßen passabel ist, dann besteht immerhin eine kleine Chance, dass Gedankenschmiedin mal wieder ein Buch liest. So habe ich die letzten Tage zwei Bücher gelesen. Und das freiwillig!
Dabei habe ich eine tolle Wortkünstlerin für mich entdeckt: Lilly Lindner.
Die Schriftstellerin hatte eine schwierige Vergangenheit, die sie da zu Papier gebracht hat, bzw. die ihre Werke beeinflusst hat. Ihr Schreibstil ist so wunderbar, so lebendig, dass ich schon ein weiteres ihrer Bücher zu lesen begonnen habe…

Morgen werde ich wieder in mein eigenes Zuhause zurückkehren. Mit meinem Freund werde ich dann vermutlich noch irgendwie Silvester verbringen. Hoffentlich ohne weitere Menschen. Sonst bedeutet das so viel Stress. Wegen dem Essen und der vielen Worte. Und aufgrund der Schmerzen (weil ich nicht hinliegen kann)…
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Ich hoffe, ihr habt Weihnachten alle einigermaßen gut überstanden, ohne größeren Schaden davonzutragen…
Habt noch einen schönen Abend.

Gedankenschmiedin

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