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Kleinigkeiten brachten sie manchmal so dermaßen auf die Palme, dass sie plötzlich nur noch rot sehen konnte. Anschließend versank ihre komplette innere und äußere Welt im Chaos. Dann stimmte nichts mehr. Nichts funktionierte mehr. Kein rettendes Ufer schien mehr in Sichtweite zu sein. Sie war am Untergehen….
Es war die letzten Monate eigentlich besser gewesen. Hatte sie zumindest gedacht.
Und schon ging es wieder los. Chaos wohin sie nur hinblickte! Nichts bekam sie auf die Reihe…

So auch vergangene Woche.
Ihr Freund wollte kommen. Als er ihr schrieb, dass es es bei ihm später werden würde als verabredet, war das noch okay für sie. Sie war es ja gewohnt.
Irgendwann meinte er dann, dass er in spätestens 20 Minuten bei ihr wäre. Doch das war er nicht. Es wurden 40 Minuten.
Schon allein diese Kleinigkeit hatte sie dann verärgert. Weil er es einfach nie schaffte, die abgemachte Uhrzeit einzuhalten.
Du bist echt pingelig hoch sieben, Gedankenschmiedin…

Dann war er da.
Er roch nach Alkohol.
Wie sie diesen Geruch verabscheute! Und so ekelte sie sich auch an diesem Tag…
Dass er es nicht auf die Reihe bekam, bevor er zu ihr fuhr, nichts zu trinken! Er wusste doch, wie sie es verabscheute. Aber ganz ehrlich: Wer weiß, wie viel er zur Zeit wieder trank! Vielleicht konnte er wirklich nicht anders!
Sie wurde immer stiller. Der Ekel war groß. Und noch größer wurde diese Wut in ihrem Innersten, weil er wieder getrunken hatte. Und weil der Alk ihm wichtiger zu sein schien als sie. Und dann waren da auch noch diese Sorgen und Ängste, da sie seine Situation einfach  nicht einschätzen konnte.
Das alles führte schließlich dazu, dass sie seit Langem mal wieder verstummte. Sie konnte nicht mehr reden. Durch diese starken Gefühle, hatte es ihr mal wieder die Sprache verschlagen. Ihr Mund war wie zugeklebt. Ca. 1,5 Stunden lang.

Irgendwann schloss sie die Augen, damit er ihre Tränen nicht sehen konnte. Sie war mal wieder wütend auf sich selbst.
Doch er merkte es nicht. Stattdessen ließ sie zu, was sie eigentlich nicht wollte. Doch sie sagte sich, dass sie es nicht anders verdient hätte…
Der Selbsthass wuchs. Und der Ekel vor sich selbst.
Die Tränen wurden immer mehr. Doch die Augen blieben zu.
Schließlich verschwand sie tränentrocknend im Badezimmer.
Kehrte zurück. Starr und kalt.
Er wollte wissen was los sei. Fragte, ob etwas passiert wäre.
Und da sie weiterhin schwieg, ging er irgendwann…

Als die Tür in’s Schloss fiel, fing sie an hemmungslos zu weinen.
Plötzlich war der Hass auf ihn wieder sehr groß.
Und der auf sie selbst, noch viel größer…

Aber erst am nächsten Tag konnte sie das alles mit etwas Abstand betrachten.
Konnte nicht verstehen, warum sie es wegen Kleinigkeiten manchmal so übertreiben musste. Warum Kleinigkeiten bei ihr so groß sein mussten. Warum sie am Vorabend innerlich ihn für alles verantwortlich gemacht hatte.
Sie entschuldigte sich bei ihm für ihr Verhalten.
Wollte ihn die Tage darauf aber nicht sehen. Meinte zu ihm, dass sie Zeit für sich brauchen würde.
Denn sie hatte Angst. Angst davor, dass sie sich wieder so daneben benehmen und alles endgültig kaputt machen würde…

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