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Es wird Zeit, von den vergangenen Tagen zu berichten. Vom Verlauf meiner OP. Vom Klinikaufenthalt umgeben von vielen Krebspatienten. Dem Arzttermin beim neuen Gynäkologen. Entscheidungen die ich treffen muss. Zukunfts- & andere Gedanken. Und vom momentanen Aufenthalt bei meinen Eltern…
Der erste Teil wird für alle lesbar sein. Der zweite und gleichzeitig persönlichere Teil, in dem es auch um meine Diagnosen, meinen aktuellen Zustand usw. gehen wird, gibt es (mit Passwort) hier: Nach der OP – wie soll es jetzt nur weitergehen?

Am frühen Montagmorgen vor der OP habe ich erfreut festgestellt, dass mein Körper in komplett leerem Zustand dann doch nochmals 1,5 Kg weniger wog. Mit dem Kreislauf ging es zum Glück, auch nachdem ich mir nochmals eine Ladung Schmerzmittel gegönnt hatte (was ich vorher mit den Ärzten abgesprochen hatte).
Ich erfüllte meiner Mutter den Wunsch, mich noch in die Klinik zu bringen. Beim Verabschieden stellte ich dann erleichtert fest, dass sie meinen Wunsch – nach der OP keinen Besuch zu empfangen – nun doch respektierte. Sie hatte sich also beruhigt. Warum nicht gleich so? Dann wäre mir mein kleiner „Zusammenbruch“ zwei Tage vorher, erspart geblieben…

Es war noch nicht viel los im Klinikum kurz vor 7 Uhr. Nach der Anmeldung suchte ich meine Station auf, die ich zum Glück auch gleich fand.
Ich klopfte am Stationszimmer und eine Frau öffnete. Ich hatte den Eindruck, dass die Krankenschwestern mich leicht verwirrt anschauten.
Bestimmt wirkst du wieder viel zu jung. Vor allem ungeschminkt und mit der enganliegenden Jeggings! Die werden denken, dass du die Station für Kinder- und Jugendliche suchst!
Als sie meine Unterlagen entgegen nahmen, schien ihnen ein Licht aufzugehen: „Aaah, Frau Gedankenschmiedin!“
Sie haben Blutdruck und Puls gemessen. Vor allen Leuten im Wartebereich. Zum Glück durch den Pullover durch. Nicht vorstellbar, wenn alle Leute meine Narben zu Gesicht bekommen hätten! Mir hat es dann schon gereicht, dass „alle Welt“ meine Werte mitbekommen hat…
Blutdruck war zu hoch (trotz Schmerzmittel). Puls ebenfalls zu schnell. Aber das ist für mich nichts Neues. Irgendwie muss es sich ja auswirken, wenn Angst & Stress eine große Rolle im Leben spielen…
In meinem Zimmer angekommen, war ich erst mal erleichtert. Diesmal war es ein Zweibett-Zimmer!
Das bedeutet weniger Leute, die etwas von dir mitbekommen werde…
Beim Umziehen für die OP wunderte ich mich dann doch etwas. Dieses bescheuerte OP-Hemd war diesmal auch noch viel kürzer als letztes Mal. Es war nicht länger als ein T-Shirt!!?? So viele Gedanken habe ich mir dazu nicht mehr gemacht. Dachte, dass es je nach OP vielleicht unterschiedliche Modelle gibt. War viel mehr damit beschäftigt, mit meinem Cardigan die Narben vorerst noch zu verstecken, so lange es eben möglich war.
Ich legte mich in’s Bett. Und kurz danach kam ein Arzt zur Visite herein. Er blieb an meinem Bett stehen: „How are you?“
Erst war ich verwirrt. War nicht darauf vorbereitet, dass mich jemand auf Englisch ansprechen würde.
„Ääh, gut….“, antwortete ich (warum auch immer auf Deutsch, ich Dumpfbacke).
Der Arzt schaute mich an und begann zu stammeln: „Äähh, fffalsche Patientin. Falsches Zimmer. Sorry…“
Es war ihm sichtlich peinlich, so schnell wie der das Zimmer wieder verließ. 😀 😛
Das fängt ja gut an…  Solange das nicht im OP passiert…

Nach einer Stunde Wartezeit, bekam ich meine halbe „Beruhigungstablette“ (oder was auch immer das ist) und wurde ein Stockwerk nach unten in Richtung OP-Raum geschoben.
Als ich mich dort auf die andere Liege legen musste, musterte mich die dortige Ärztin und schaute zu den Schwestern, die mich in den OP geschoben hatten.
„Ja was habt ihr ihr denn da angezogen!????? Das Hemd ist ja viel zu kurz, das ist doch eins für Kinder!!?!“
Das kann ja mal wieder nur dir passieren!! Und jetzt sehen sie wieder alle deine ganzen Narben…
War wohl ein Versehen. Die Schwester hatte einfach in den Schrank gegriffen. War wohl falsch einsortiert…
Tja, du solltest dich einfach daran gewöhnen, dass du wie ein Kind behandelt wirst!
Ich bekam ein anderes Hemd. „Dass ihr das überhaupt gepasst hat. Aber sie ist ja so dünn…“
Dann wurde ich auch schon verkabelt. Ich konnte meinen Puls hören und ahnte nichts Gutes. Das Piepen war viel zu schnell!!
Der Anästhesist neben mir fragte, ob ich die Tablette vorher bekommen hätte und meinte, dass diese ruhig besser wirken könnte…
Im Hintergrund wurden irgendeinem jungen Herrn die Vorbereitungen und der Vorgang der OP erläutert.
Bestimmt schon wieder irgendein Student, der auch dabei sein wird, wenn sie an die herumhantieren, wie so viele andere Menschen auch. Du kannst nur hoffen, dass dich niemand kennt. Kann man ja nie wissen. Vor allem bei gynäkologischen Sachen wäre das endlos peinlich!!! Zum Glück schläfst du und bekommst nichts mit!
Dann ging es auch schon los mit der Vollnarkose. Diesmal fand ich es zum Glück gar nicht so schlimm, zu spüren, wie ich wegtriftete…

Ich lag im Aufwachraum. Das Erste das ich beim Wachwerden bemerkte, war, dass mir Tränen übe die Wangen rollten.
Warum? Die OP ist vorbei! Bist du traurig? Oder erleichtert???
Es hat kurz gedauert, bis ich es bemerkte: die Schmerzen waren einfach nur sehr, sehr  stark!
Kein Wunder, so viel Schmerzmittel wie du die letzten Monate täglich „gegessen“ hast!
Zum Glück wurde es nach zwei weiteren Infusionen Schmerzmitteln endlich besser.
Der unscharfe Blick auf die Uhr (ohne Kontaktlinsen) und den Kommentaren des Fachpersonals nach, musste die OP dann doch 4 Stunden gedauert haben.
Ich befühlte meinen Bauch. Und ich war heilfroh, dass ich da nichts ertasten konnte, das sich nach einem künstlichen Darmausgang anfühlte! Das mit dem Katheter kannte ich ja bereits…
Nach knapp 1 1/2 Stunden kam ich dann auf mein Zimmer. Wieder eine neue Bettnachbarin. Doch ich bekam nicht viel von ihr mit. Nur, dass sie eigentlich noch im Krankenhaus bleiben wollten, aber die Ärzte keine Gründe dafür hatten.
Ansonsten war ich viel mit mir selbst beschäftigt und noch ziemlich benommen und müde von der Narkose.
Mit letzter Kraft nahm ich mein Handy und schrieb meinen Eltern, meinem Freund und meiner ehemaligen Nebensitzerin, dass ich die OP gut überstanden hatte.
Nicht, dass deine Eltern doch noch hier aufkreuzen, weil sie nichts von dir hören!!
Wenig später kam der leitende Oberarzt, der mich operiert hatte. Er sagte nicht viel zu dem, was sie operiert hatten. Bzw. ich war noch so neben der Spur, dass ich mir nicht viel merken konnte… (Mehr dazu im nächsten Artikel).

Der Abend und die Nacht waren nicht einfach. Obwohl die Ärzte bei der OP-Vorbereitung mal wieder angekündigt hatten, dass sie darauf achten würden und ich diesmal keine Probleme bzgl. Übelkeit/ Erbrechen/ Kreislaufbeschwerden haben würde, trat dieser Fall leider nicht ein.
Im Gegenteil. Nach dieser 4. OP mit Vollnarkose wurde es dann schlimmer denn je. Habe den ganzen Abend erbrochen. Habe mich bemüht zu trinken. Und jeden noch so kleinen Schluck wieder ausgek… Meine Theorie ist, dass ich ein bestimmtes Schmerzmittel nicht vertrage, von dem ich schon manchmal Magenschmerzen bekommen hatte.
Die Schmerzen waren stark.
Habe den ganzen Abend und die ganze Nacht über jede Menge Infusionen bekommen. Jedes Mal wenn ich kurz davor war einzuschlafen, zuckte ich zusammen und war wieder wach. Kam vermutlich noch von der Vollnarkose… Die Angst, die Kontrolle über meinen Körper zu verlieren…
So richtig gewirkt haben die Schmerzmittel ab dieser Nacht nicht mehr wirklich. Aber die Dosierung war ja auch lächerlich, wenn ich es mit vorher vergleiche!!!!! Nur musste ich das irgendwie erst jedem Arzt und jeder Schwester einzeln begreiflich machen, wieviel ich die Monate vorher über genommen hatte, bis es dann mal „klick“ gemacht hat.
Die Stationsärztin meinte dazu am nächsten Morgen: „Das ist natürlich so einiges…“, und tauschte mit den Kolleginnen eindeutige Blicke aus.
Tja, was man nicht alles tut, wenn man starke Schmerzen hat…

Meine Blutwerte waren anfangs nicht gut, besserten sich aber mit der Zeit. Antibiotika bekam ich vier Tage lang, da meine Entzündungswerte zu hoch waren.
Das Gas, das bei der Bauchspiegelung in mich hineingepumpt wurde, schmerzte unglaublich. Aber das ist wohl kein Wunder, wenn sie so viel und so lange an mir herumgeschnitten hatten…
Schlimm waren die Geräusche, die mein Bauch danach von sich gab. Ununterbrochen. Die ganze Nacht hindurch. Habe mich ständig verkrampft. Schließlich hatte ich die letzten Jahre wegen der Angst (dass mein Magen Geräusche von sich geben könnte, die jemand hören könnte) ständig unschöne Panikattacken…
Und auch mein Kreislauf machte kaum mit, als ich am Dienstag aufstehen sollte. Mir wurde nach ca. 3 Minuten so übel und schwindelig, dass ich mich gerade noch in mein Bett retten konnte. Dort blieb ich für den Rest des Tages, weil mir so übel war.
Ich hatte große Mühe zu trinken und zu essen. Ich zwang mich regelrecht dazu.
An Schlafen war nachts nicht zu denken. Ständig brannte irgendwo Licht, die Ruftasten wurden gedrückt, ich bekam Infusionen oder hatte Schmerzen und wusste nicht, wie ich mich hinlegen sollte.

Bettnachbarin Nr.3 blieb dann sogar einen ganzen Tag mit mir im Zimmer.
Anfangs dachte ich: Oh Gott, was für eine Tussi!
Sie beschwerte sich am laufenden Band einfach über alles. Wenn sie telefonierte (und das tat sie oft auf einer anderen Sprache), regte sie sich lautstark auf. Sie schaute stundenlang „Assi-TV“. Und als sie sich zur OP fertig machen sollte, setzte sie sich aus Protest auf den Balkon, weil sie keine Lust hatte, so lange zu warten.
Anfangs wechselten wir nicht viele Worte miteinander. Aber mit der Zeit verstanden wir uns dann doch recht gut und regten uns gemeinsam über die blöden Männersprüche im TV auf. Sie war total lieb zu mir, ließ mich mit TV schauen und fragte ab und zu, ob ich etwas brauchen würde (da ich noch nicht so richtig aufstehen konnte).
Durch ihr ganzes Verhalten, hätte ich sie niemals auf 36 geschätzt!!!!! 😀 Aber sie mich auch nicht auf 24, wie sie mir erzählte… „Du könntest locker als 16 oder 17 durchgehen!“ 😛
Ich fand es dann doch recht schade, als sie entlassen wurde. Und habe mich gefreut, sie einen Tag später wegen einer Kontrolluntersuchung, wieder zu sehen. 🙂
Es tat gut, einmal trotz Gammel-Look und ungeschminkt, tatsächlich akzeptiert zu werden…
„Ciao Schnecke“, hat sie beim Verabschieden beide Male gesagt und mir alles Gute gewünscht.
Achja. Sie war crazy aber irgendwie auch total lieb und hat mich wenigstens ein bisschen von all den Schmerzen abgelenkt.

Die meisten Patientinnen meiner Station waren schätzungsweise zwischen 55 und 70 Jahre alt. So war auch Bettnachbarin Nr.4 etwa 40 Jahre älter als ich. Sie hatte Krebs. Wie die meisten der Patientinnen.
Sie hat mir erzählt, wie ihr Tumor bei einer Routineuntersuchung entdeckt wurde und wie schnell er innerhalb von 3 Wochen gewachsen ist. Sie musste sich ihre Brust wegmachen lassen. Gerne hätte sie sich auch die andere entfernen lassen (was ich irgendwie verstehen kann –> „tickende Zeitbombe“), schließlich ist ihre Mutter bereits an Brustkrebs verstorben. Doch die Ärzte dürfen ihr wohl kein gesundes Organ entfernen…
Die Dame war nicht viel in ihrem Zimmer. Auf der Station gab es einen Tisch mit Stühlen, an dem sich viele ältere Frauen getroffen haben. Ich habe bemerkt, wie gut es ihnen tat, unter Gleichgesinnten zu sein.
Und mir kam der Gedanke, dass Gruppentherapien vielleicht gar nicht so schrecklich sind, wie ich immer denke, wenn alle ähnliche Probleme haben…
Am meisten beeindruckt hat mich die Begegnung zweier Frauen. Sie stellten fest, dass sie sich kannten. Doch aufgrund ihrer äußerlichen Veränderungen (keine Haare mehr, usw.), hätten sie sich beinahe nicht mehr erkannt…

An meinem dritten Tag habe ich mich immer wieder dazu überwunden, über die Klinikflure zu spazieren. Ich merkte schnell, wie wenig Kraft ich hatte.
Mein Freund kam mich einmal besuchen. War irgendwie kein gutes Gefühl. Irgendwie war er mir mal wieder zu kindisch (obwohl er knapp 5 Jahre älter ist als ich). Ich hatte Schmerzen, da konnte ich das einfach nicht gebrauchen. Und ihm wurde schnell langweilig. Manchmal vermisse ich es, mit ihm niveauvolle/ tiefgehende Gespräche zu führen…

Es war nicht angenehm mit meinen Narben, die sonst niemand sehen darf (außer mein Freund). Wenn möglich habe ich immer noch eine Strickjacke getragen und Blutabnehmen/ Spritzen auf der rechten Seite machen lassen. Aber es hat nie jemand etwas gesagt, worüber ich sehr froh bin.

Am 4. Tag durfte ich am späten Mittag nach Hause. Zu meinen Eltern. Da bin ich jetzt immer noch. Die meiste Zeit bin ich in meinem Zimmer und meine Eltern arbeiten ja auch. Deshalb geht das bisher noch.
War mittlerweile bei einem neuen Arzt.
Die Schmerzen vom Gas sind besser geworden/ fast weg. Aber die anderen Schmerzen… Sie sind nicht weg. Vermutlich weil sie von einer einer anderen Sache kommen! 😦 Eine weitere Diagnose die ich erhalten habe. Tritt meistens zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auf. Super. Die Therapiemöglichkeiten sind begrenzt. Ich werde Entscheidungen treffen müssen, von denen womöglich meine Zukunft abhängt. Habe weiterhin starke Schmerzen. Bin ständig verzweifelt. Will einfach nur, dass es aufhört. Mir wächst alles über den Kopf…
Fortsetzung folgt hier: Nach der OP – wie soll es jetzt nur weitergehen?

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