Schlagwörter

, , , , , , , , , , , , ,

Der Tag war anstrengend. N., die neue Bettnachbarin, kostet so viel Nerven und Kraft. Sie ist angeblich schwerhörig und redet dadurch auch so laut und ja auch so viel. Gleichzeitig tut sie mir ja auch leid. Sie merkt nicht, dass sie trotz Adipositas durch ihr viel zu kurzes T-Shirt bauchfrei herumläuft und auch die Hose nicht passt. Für die Nacht wurde sie in ein anderes Zimmer gelegt, weil sie so schnarcht. Das muss auch bitter sein… Heute Abend hat sie uns erzählt, dass sie ein Problem hat, allein in einem Raum zu sein. Sie wurde als Kind eingesperrt. Einmal in einen dunklen Raum voller Luftballons. Und umso hysterischer sie wurde, desto mehr Luftballons knallten… Das ist schlimm… Zuhause schläft sie allein in einem Zimmer… Ihr glaubt nicht, wie ich die Ruhe, die nun endlich herrscht, genieße! Ich brauche Ruhe. Diese Stille ist so wichtig für mich…

Ich muss erstaunt feststellen, dass ich mich mit der Physio-Tante von Tag zu Tag besser verstehe. Seit sie meine Narben nicht mehr anspricht und ich so tue, als würde ich mich für Ihre Salben und Flüssigkeiten interessieren (okay, manchmal interessiert es mich auch wirklich), kommen wir gut miteinander klar. Gestern meinte sie: „Kann es sein, dass Sie so richtig aufblühen, wenn Sie keine Schmerzen haben!??“ Wenn sie meint… 🙈

Vorhin war diese Psychiaterin da ( *muss die Berufsbezeichnung der letzten Beiträge hiermit verbessern). 3 Stunden musste ich warten, da ich zuletzt dran kam und dürfte das Zimmer auch nicht verlassen. Ich hatte ja echt ziemliche Bedenken, dass sie etwas von meinen psychischen Macken bemerken könnte. Und dass sie einen anderen Grund für meine Schmerzen als meine körperliche Erkrankung finden könnte. So wie die Dame der Gesprächstherapie, die mich am liebsten heute wieder gesprochen hätte, als ich zum Glück nicht konnte… Ich habe ihr von meiner Erkrankung und den Schmerzen im letzten halben Jahr berichtet. Sie hat einige Fragen gestellt, um meine „psychische Verfassung“ einschätzen zu können. Aber  die waren okay. Waren nicht viele. Nur ob ich Freunde, Hobbys, Arbeitsstelle usw habe. Habe ihr von meiner Arbeitsstelle vorgeschwärmt, wie gut es mir dort gefällt. Sie wollte wissen, ob ich schon mal mit dem Gedanken gespielt hätte, dass ich nicht mehr leben möchte usw. Nein, offiziell natürlich nicht. Sie wollte wissen, wie ich mit meiner Erkrankung umgehe und meinte, dass das doch bestimmt schwierig ist. Ich habe gesagt, dass es solche und solche Tage gibt und dass ich weiß, dass nach nem schmerzhaften Tag auch mal wieder ein Tag mit weniger Schmerzen kommt usw. In solchen Situationen blühe ich manchmal richtig auf und dann entfalten sich meine schauspielerischen Künste. Die Psychiaterin meinte, dass sie einen richtig guten Eindruck von mir hätte. Dass ich immer so hoffnungsvoll wäre und nach vorne schaue und trotzdem positiv denke. Und dass bei mir die Schmerzen ja deutlich durch meine körperliche Erkrankung kommen würden (danke, zum Glück mal eine in diesem Haus, die das so sieht und weniger antroposophisch arbeitet!). Allerdings rät sie mir zu Antidepressiva. Nicht wegen einer Depression oder so, sondern zur Vorbeugung, damit kein chronischer Schmerz entsteht. Für ca. ein halbes Jahr. Ich weiß auch nicht… Aber ich warte erst mal noch die Untersuchungen/ Meinungen von der Klinik in der ich operiert wurde und von meinem Gyn ab… Das Gespräch ging nach ca. 12 min dem Ende zu. „Eine Frage hätte ich aber noch“, meinte die Psychiaterin. „Sie haben ja einiges abgenommen. Warum?“ Und dann erzählte ich ihr von Migräne mit Erbrechen, von Untersuchungen bei denen ich nüchtern sein musste, von der Müdigkeit und Übelkeit der Schmerzmittel (eigentlich vielleicht eher Ekel vor dem Essen), von Schmerzen beim Sitzen und am Ende fügte ich strahlend noch hinzu, dass es zu Hause ja auch immer besser schmecken würde, als in der Klinik. Die Psychiaterin lächelte verständnisvoll. Meinte nur, dass ich aufpassen sollte, dass es nicht weniger wird (keine Ahnung, ob sie die Zahlen überhaupt hatte). Dann verabschiedete sie sich. Und Gedankenschmiedin war ein bisschen stolz auf ihre schauspielerischen Fähigkeiten. Und traurig und innerlich irgendwie verletzt. Weil sie wusste, dass so vieles gelogen war, was sie von sich gegeben hatte… Von den Narben wusste die Dame wohl nichts, sonst hätte sie bestimmt gefragt. Ob der Stationsarzt es überhaupt jemandem weitergegeben hatte?? Es ist alles so bescheuert… Es muss doch eigentlich alles mal raus…

Advertisements