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„Bei Ihren Beschwerden wird man nicht bis zu den Wechseljahren warten können…“
Es müssen also irgendwann Organe entfernt werden… Die Frage ist nur: Wann? Wird mir genug Zeit bleiben, um noch eigene Kinder zu bekommen? Schließlich muss vorher noch so unglaublich viel passieren. Das wird mir momentan wieder so bewusst…
Ich müsste vorher die Angst in den Griff bekommen und die Essstörung. Dazu müsste ich mich in Therapie begeben. Ich müsste eine Struktur im Alltag haben. Körperlich und psychisch mehr Kraft haben. Die Beziehung zu meinem Freund müsste sich festigen. Ich müsste ihn heiraten und mit ihm zusammenziehen.

Ich erinnere mich zur Zeit immer wieder an den Tagebucheintrag, in dem ich mit 12 Jahren festgehalten habe, dass ich niemals schwanger werden möchte. Nicht schwanger werden wollen, bedeutet ja vielleicht auch, dass man sich gegen das Frausein wehrt. Würde ja eigentlich auch wieder total gut zu einer Essstörung passen…
Die Fehlgeburt (ich hasse dieses Wort, schließlich hat meine Schwester ja gelebt und sah aus wie ein normales Baby, nur eben viel kleiner) meiner Mutter war damals so schlimm für mich. Und sie ist es auch heute noch. Ich kann mich da so richtig hineinsteigern. Und ich heule los, sobald ich nur daran denke…
Ich hätte meine Schwester damals gerne noch gesehen. Aber meine Eltern mussten die Entscheidung treffen während ich in der Schule war. Und sie hielten es für besser, wenn ich sie nicht zu Gesicht bekommen würde. Deshalb kenne ich sie nur von Fotos.
Zur Beerdigung und zum Begrabungsort wollten meine Eltern nicht gehen. Ich hätte damals gerne einen Ort gehabt, um um sie zu trauern. Aber so war auch das nicht möglich…
Ich glaube, dass ich dadurch das alles auch nie so richtig verarbeiten konnte.
Und sollte ich jemals schwanger sein, dann werde ich vermutlich panische Angst davor haben, dass ich das Kind verlieren könnte…

Das sind alles Dinge, von denen ich momentan Lichtjahre entfernt bin und nicht mal genau weiß, ob das alles geht und ob ich das alles überhaupt möchte!!!!!!!!
Um all das in Angriff nehmen zu können, würde es vermutlich unglaublich viel Zeit benötigen. Ich habe Angst, dass die vorhandene Zeit nicht reicht…
Und selbst falls das alles tatsächlich jemals geschehen sollte, könnte mir immer noch meine körperliche Erkrankung im Weg stehen!
Ich habe so Angst, dass es in den nächsten Wochen oder Monaten von ärztlicher Seite heißen wird, dass es bereits jetzt schon keine andere Möglichkeit mehr gibt, um die Schmerzen und Beschwerden in den Griff zu bekommen. Dass sie radikal operieren müssen…

Zur Zeit ertappe ich mich ständig dabei, wie ich Serien und Videoclips über die Geburt und den Umgang mit Babys anschaue… Und das geht weiter bis zu Kleidung und sonstiger Ausstattung. Total bescheuert, ich weiß…
Je größer die Angst wird, dass ich mal keine Kinder bekommen kann, desto mehr  klammere ich mich daran fest und desto größer wird der Kinderwunsch.
Ich weiß, es widerspricht sich so vieles. Essstörung und Kinderwunsch und mein ganzes Leben sowieso (müsst ihr mir nicht sagen…).

Es fällt mir schwer, für meine momentane Situation die richtigen Worte zu finden.
Ich bin schwach. Und immer habe ich irgendwelche anderen Schmerzen und Beschwerden.
Ich werde mich die nächsten Tage dazu zwingen müssen, nicht nur den ganzen Tag im Bett liegend zu verbringen. Keine Ahnung wie das gehen soll. Aber mittlerweile habe ich seit Tagen starke Nackenschmerzen vom Feinsten.

Gestern Abend habe im versuchsweise meine Schmerzmittel weggelassen, bzw. nur Ibuprofen genommen. Da ich das Gefühl hatte, dass das Tramadol einfach nicht anschlägt, meinte mein Arzt, ich solle es mal ohne ausprobieren. Gesagt getan. Doch dann hatte ich abends und die halbe Nacht über plötzlich solche Schmerzen in den Beinen. Es zog bis zu den Füßen. Als würde jemand mit all seiner Kraft überall an meiner Haut ziehen. Ich war kurz davor verrückt zu werden und unendlich froh,  dass das Schmerzmittel dann tatsächlich wirkte. Es hat also eine Wirkung. Ohne wären die Schmerzen noch viel, viel schlimmer…

Ich denke wieder ständig an den Lehrer*. Würde ihm soo gerne schreiben. Aber das geht nicht. Das darf ich nicht von mir aus. Ich wünsche mir manchmal so sehr, dass er sich von sich aus nach meinem Befinden erkundigt. Aber das ist so unwahrscheinlich. Schließlich ist unser Gespräch und alles nun fast ein Jahr her und für ihn vermutlich schon lange abgehakt.
Aber niemanden zum Reden zu haben bei all diesen Sachen, ist schon ziemlich bescheuert…
Mein Arzt wollte neulich wissen, ob es Menschen geben würde, mit denen ich über meine Situation (also nur meine körperliche Erkrankung und deren Auswirkungen) reden könnte. Klaaar. Sogar mehrere. Offiziell… Hätte ich etwas anderes geantwortet, hätte er mich ja gleich zum Therapeuten oder zu ner Selbsthilfegruppe geschickt. Wird er aber vermutlich früher oder später eh noch machen, wenn das alles noch so lange weiter geht… Manchmal denke ich, dass das vielleicht sogar sein muss. Weil ich dann vielleicht erst mal aus anderen Gründen bei nem Therapeuten lande. Möglicherweise wäre es dann ja auch einfacher, irgendwann andere Dinge anzusprechen. Nur würde ich da gerne wieder allein wohnen können. Damit es meine Eltern usw. nicht mitbekommen. Aber dazu müssten meine Schmerzen besser werden…

Je öfter ich zu meinem Arzt gehe (und das ist jede bis jede zweite Woche der Fall), desto besser lernt er mich kennen. Mittlerweile drückt er mich schon immer so halb an sich. Ehrlich gesagt ist das für mich schon wieder etwas an der Grenze. Aber ich weiß ja, dass er das nur nett meint. Und dass ich ihm leid tue. Vielleicht auch weil er ne Tochter in meinem Alter hat…
Dass er mich besser kennt usw. macht mir Angst. Weil ich dann viel mehr Angst davor habe, dass er eines Tages meine Narben sieht und mich darauf anspricht. Das geht einfach nicht. Aber ich denke, dass es irgendwann passieren wird. Und davor graut es mir soooo sehr…
Bei Ärzten die mich nicht so gut kennen und mich nicht oft sehen, ist das nicht so schlimm. Wahrscheinlich ist da die Angst, jemanden zu „enttäuschen“ oder so einfach geringer…
Dafür ist bei diesen Ärzten dann die Angst größer, dass sie mich nicht ernst nehmen. Und dass sie denken könnten: „Die möchte bestimmt nur Aufmerksamkeit und täuscht ihre Schmerzen vor!“, oder dass sie es auf meine Psyche schieben… Davor habe ich ziemliche Angst, wenn ich in 1 1/2 Wochen den Termin in der Klinik habe. Hoffentlich vergesse ich dort nicht die Hälfte meiner Symptome – das sind mittlerweile so viele. Und hoffentlich nimmt dieser Arzt mich ernst und lässt mich ausreden. Und hoffentlich nimmt er mir nicht meine Perspektive…

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