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Den sechsten Tag versuche ich nun diesen Artikel fertig zu schreiben!!
Ich weiß gar nicht wo anfangen. Bin nur noch am Heulen. Seit Tagen. Nichts läuft so, wie ich mir das wünsche. Ich habe einfach kein Mitspracherecht auf dieser Welt. Zur Zeit habe ich das Gefühl, dass ich überhaupt nicht mehr über mich selbst bestimmen kann. Weder über meinen Klinikaufenthalt, noch über das, was andere über mich erfahren. Hinzu kommt durch meine Schmerzen noch die Einschränkung meiner Selbständigkeit. Und diese Ärzte und meine Eltern, über die ich mich ständig aufregen muss. Das ist alles ziemlich schlimm für mich…

Nachdem mir dieser Oberarzt von neulich also zur psychosomatischen Abklärung geraten hat, nur weil sich meine Erkrankung in den anderen Organen nicht so einfach nachprüfen lässt und er das bei der OP Sichtbare ja selbst entfernt hat (bestimmt hat er dabei noch meine Narben oder das notierte Gewicht gesehen), ist nun auch mein Arzt auf diesen Zug gesprungen. Dieser wiederum meinte eigentlich, dass er nicht glaubt, dass diese Schmerzen und Beschwerden bei mir psychosomatisch bedingt sind (aber bestimmt nur, weil er noch nicht all deine Narben gesehen hat und nichts von deiner Essstörung oder der Angst weiß, Gedankenschmiedin!). Doch da sich körperliche Erkrankungen eben auf den ganzen Menschen auswirken würden und nun irgendwas mit mir passieren müsse, wäre solch eine Klinik der „weniger traumarisierende Weg“ – wie auch immer er das genau gemeint hat, vermutlich im Gegensatz zu einer großen OP…
Die letzten Tage musste ich mich mit meiner letzten Kraft und sehr viel Schmerzen (durch das Gehen und das Sitzen im Auto), um diesen Reha-Antrag kümmern. Einen Antrag für eine Klinik, in die ich nicht gehen möchte. Eine Reha-Klinik für psychische und psychosomatische Erkrankungen…………………….
Mittlerweile schwimme ich deshalb im Tränenmeer. Und jedes Mal wenn ich über alles nachdenke und versuche hier weiter zu schreiben, wird es größer und größer. Ich kann nicht mehr…

Leider hatte mein Arzt mich mal gefragt, ob ich abgenommen hätte. Habe ihm dann eben die Story vom Pferd erzählt, dass das durch die OP und die Untersuchungen kam. Weil ich so oft nüchtern sein musste. Die Narkose habe ich nicht vertragen. Dann die Migräne mit Erbrechen. Und dazu dann noch die Schmerzen beim Essen… Stimmte ja teilweise auch.
Leider hat er irgendwie nicht verstanden, dass mein momentanes Gewicht dem vor der OP nicht all zu unähnlich ist, da ich das bis auf 1,5-2,5 Kg ja schon wieder drauf habe…
Dann wollte er aber vor ein paar Tagen doch mal mein aktuelles Gewicht wissen.
„Das ist wirklich an der untersten Grenze…“, meinte er nachdenklich, nachdem ich ihm mein Gewicht genannt habe. Okay, 1,5 Kg habe ich mal noch sicherheitshalber hinzugefügt. Aber selbst damit war der BMI halt noch knapp in dem Bereich, in dem man mir noch eine Essstörung auf’s Auge drücken könnte…
In Kliniken nehme ich ganz von allein ab. Vor allem, wenn es mir dort nicht gut geht, weil sie mir irgendwelche Gesprächstherapien oder die Psychiaterin aufzwingen. Dann kann ich schon Tage vorher nicht mehr richtig essen vor Angst. Dann geht die Übelkeit nicht weg. Dann geht es mir schlecht.
Als ob das in der nächsten Klinik anders sein wird. Wenn ich ständig von diesen Leuten umgeben sein werde und ununterbrochen Angst haben muss, dass sich meine Fassade in Luft auflöst. Das geht nicht, verdammt noch mal!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Gerade habe ich den Bericht aus der Klinik bekommen, den über meinen letzten Besuch neulich. Und schon wieder bin ich am Heulen. Es ist so unfassbar, dass Ärzte diese Berichte einfach so schreiben, wie es ihnen in den Kram passt. Das war schon beim letzten Bericht so.
Der klang so, als hätte ich keinerlei Beschwerden mehr. Es wurde nur festgehalten, dass die Untersuchung unauffällig war. Nichts von meinen schrecklichen Schmerzen. Ich solle mich bei erneuten Beschwerden wieder melden… Dass ich nicht lache! Ich habe Beschwerden!!!
Diesmal ist es nicht sehr viel anders. Einige meiner Beschwerden hat er im Bericht aufgezählt. Die Schmerzen und Beschwerden die ich seit der OP habe (bei der er mich operiert hat), wurden weggelassen, welches eigentlich die schlimmsten sind. Stattdessen wurden Symptome aufgeführt, die aus dem Bericht meines Aufenthalts in der anderen Klinik übernommen wurden und schon da nicht aktuell waren. Nun hört sich manches total gegensätzlich an, wenn man das liest! Und dazu steht da noch, dass er bei mir stark psychosomatische Beschwerden vermutet.
Bestimmt wegen den Narben oder deinem Gewicht. Oder weil du ihm zu viele verschiedene Schmerzen  und Beschwerden hast.
Und dass ich eine erneute OP machen lassen könnte, nur um reinzuschauen – was mir nicht all zu viel weiter hilft, wenn die Organe betroffen sind, in der er nicht reinschaut, weil er ja wieder nicht dafür zuständig ist…
Dann steht da noch fett mit Ausrufezeichen, dass ich wegen der Schmerzen keine Untersuchung wollte. Und es klingt, als hätte ich mich geweigert. Dabei hat er vorgeschlagen, es zu lassen, wenn ich so starke Schmerzen habe…
Ich komme mir so verarscht vor… Ich hasse diese Klinik. Ich hab einfach das Gefühl, dass mich dort kein Arzt mehr ernst nimmt!!!
So wird dir niemals jemand glauben, mit diesen Berichten. So wirst du für immer Schmerzen haben…

Ja. Und wenn dann noch psychische Erkrankungen diagnostiziert werden würden… DANN WIRD MIR KEINE MENSCHEN SEELE MEHR GLAUBEN!!!!
Deshalb muss ich meinen Mund halten, wenn ich in diese bescheuerte Klinik komme. Denn ich gehe mal davon aus, dass man dort NICHT mit einer Person reden kann, die das dann alles für sich behält. Oder? Die tauschen sich doch da alle untereinander aus und am Ende landet alles im Bericht, der an die Ärzte rausgeht, die mich wegen der Schmerzen behandeln werden. Und das darf eben nicht sein. Sonst glaubt und hilft mir körperlich niemand mehr. Was, wenn das Organ, mit dem ich erst seit der OP starke Probleme und sehr starke Schmerzen habe, doch bei der OP verletzt wurde? Das würde doch niemals jemand herausfinden, wenn für alle feststehen würde, dass ich starke psychische Beschwerden habe…!!
Die Essstörung muss ich definitiv raushalten. Und dass mit der Angst auch. Auch dass meine Mutter psychisch erkrankt ist, werde ich nicht erwähnen. Ich werde meine Biografie „ändern“ müssen. Z.B. dass ich mit meinem Freund vielleicht nur 2 oder 3 statt 5 Jahre zusammen bin, sonst taucht wieder die Frage auf, warum ich nicht mit ihm zusammenziehe.
Ich werde mir eine schöne Geschichte überlegen müssen, um meine Narben zu erklären. Bzw. einfach einige Dinge weg lassen und nur schlechte Noten und vielleicht noch streitende Eltern erwähnen.
Eine andere Möglichkeit sehe ich nicht…!!!!!!!!!
Irgendwas depressives werden sie bestimmt diagnostizieren, nachdem die Psychiaterin in der letzten Klinik eine „affektiv reduzierte Schwingungsfähigkeit“ in den Bericht geschrieben hatte… Mehr darf es aber nicht sein…

Es wird mich alles so viel Kraft kosten. Und ich werde so unendlich viel Angst haben, dass ich nicht zur Ruhe kommen werde. Dann wirst du bestimmt noch depressiv gestimmter wirken!
Ich weiß nicht, wie solche Aufenthalte ablaufen.
Werde ich zu bestimmten Therapien gezwungen? Kann man mich zwingen? Ganz schlimm für mich ist die Tatsache, dass es dort ein kleines Hallenbad gibt. Dazu muss ich sagen, dass ich unter Tränen und mit sehr viel Angst, als Kind schwimmen lernen musste. Meinen Eltern fiel eines Tages plötzlich ein, dass ihr Kind in der Schule bald schwimmen können muss. Dann musste alles ganz schnell gehen. Ich wollte nicht. Aber meine Mutter hat mich angeschrien und ich musste. Ich weiß noch, dass ein anderer Badegast meine Mutter damals darauf angesprochen hat. Dass man mich da doch nicht zwingen kann, wenn ich nicht möchte. Aber ich musste es ja lernen, um den Anforderungen in der Schule gewachsen zu sein…
Ich habe es gelernt. Weil ich musste. Bin sogar anfangs schneller geschwommen als die anderen. Aber ich habe damals eine so unendlich starke Angst vor tiefem Wasser entwickelt. All die Jahre war es sehr, sehr schlimm für mich, wenn ich mit der Schule schwimmen gehen musste. Ich musste mich immer am Beckenrand aufhalten. Aus dem tiefen Wasser in das niedrige zu schwimmen ging noch einigermaßen. In die andere Richtung war ganz schlimm. In das tiefe Wasser springen ging gar nicht. Bin ich noch nie. Ich konnte die Dinge fast alle nicht machen, die die anderen im Schwimmunterricht gemacht haben. Klar fiel das auf und es war peinlich. Manche Dinge wurden bei mir zum Glück dann nicht benotet.
Bis heute habe ich sehr häufig Albträume von tiefem Wasser in dem ich mich aufhalten muss. Und vom damaligem Schwimmunterricht.
Schon allein weil es nun in dieser Klinik ein Hallenbad gibt, habe ich neulich den ganzen Tag geheult. Obwohl ich nicht mal weiß, ob es überhaupt tief ist.
Aber dazu kommt dann ja noch, dass ich seit ca. 8 Jahren nicht mehr im Schwimmbad war und keine kurze Kleidung mehr getragen habe, wegen den SVV-Narben… Und als Krönung fühle ich mich in meinem Körper so schrecklich unwohl, fett und hässlich, dass mich einfach niemand in Bade-Bekleidung sehen darf! Vor allem keine Menschen in meinem Alter und mit denen werde ich vermutlich am meisten zu tun habe…
Ich kann dort nicht in dieses Becken. Ich will das einfach nicht. Das ist viel zu viel auf einmal…
Aber ob man sich da weigern kann? Oder steht das dann gleich wieder im Abschlussbericht? Bin schon wieder am Heulen…

Dann die Angst wegen dem Essen.
Mein Arzt hat in die Unterlagen zum Reha-Antrag folgende Diagnosen notiert: 1. meine Erkrankung mit Stadium IV, 2. Schmerzsyndrom. und 3. Untergewicht…
Unter „von der Norm abweichender Befunde“ hat er meine Erkrankung notiert (im Bauch, sowie in den anderen beiden Organen – er geht also immer noch davon aus, dass ich das dort auch habe, im Gegensatz zum Oberarzt in der Klinik…). Und leider steht da auch noch „psychische Labilität durch dauerhafte Schmerzen“…. Ganz toll. Irgendwas in die Richtung angedeutet habe ich nicht. Aber vielleicht gehört es für ihn auch einfach dazu, wenn man so lange Schmerzen hat…
Wegen dem 3. Punkt… Wenn man Untergewicht hat… Bekommt man dann in solchen Kliniken automatisch vorgeschrieben, was man zu essen hat? Wenn ja, wäre das mein Ende… Oder ich werde mich weigern. Ganz sicher sogar. Kann mit meinen Schmerzen eh oft nicht sitzen, so dass ich noch gar nicht weiß, wie ich dort überhaupt essen soll.
Dann auch noch im Speisesaal vor allen anderen…

Dann diese Gruppentherapien… Hoffentlich bekomme ich keine Panik. Aber die kommt bestimmt. Wenn da noch irgendwelche Typen dabei sind, werde ich bestimmt nicht in’s Detail gehen bezüglich meiner Erkrankung und so…
Hoffentlich komme ich mit den Leuten klar. Soll auf eine Station kommen für 18-25-Jährige. Bestimmt bin ich wieder die Älteste und alle halten mich für die Jüngste. 😛 Zumal ich bestimmt meinen Geburtstag dort verbringen muss, was vielleicht nach dem katastrophalen Tag im letzten Jahr, ganz gut ist…

Handys sind eh keine erlaubt. Hoffentlich muss man die nicht abgeben. Will digital Tagebuch schreiben. Ich brauch das. Auf Papier wäre mir das viel zu unsicher, dass es jemand in die Finger bekommen könnte.
Allgemein sind keine technischen Geräte (außer Föhn) erlaubt. Meinen eBook-Reader werde ich trotzdem mitnehmen (auch wenn ich mich fast nie konzentrieren kann), in der Hoffnung, dass niemand was sagt. Bücher sind ja bestimmt auch nicht verboten…
Muss man sich in solchen Kliniken darauf einstellen, dass sie einem die Koffer durchsuchen? Also ich weiß ja nicht, auf welche Gedanken die da kommen. Ich würde es nur vorher gerne wissen, weil ich es hasse, wenn fremde Leute ihre Augen und Hände in  meinen Sachen haben…
Es gibt Einzel- und Zweierzimmer, so viel ich in Erfahrung bringen konnte. Falls ich in ein Zweierzimmer komme und die Ärzte kommen mir bei der Visite mit irgend einem Psycho-Gelaber, bekomme ich voll die Krise. Auch deshalb könnte ich denen nichts von meinen Problemen erzählen. Das darf sonst niemand mitbekommen. Auch kein Mitpatient. Ich benötige dafür einen kleinen und geschützten Rahmen und den werde ich in dieser Klinik nicht haben!!!!!

Ganz schlimm ist auch für mich, dass bald jeder von meiner körperlichen Krankheit weiß. Und dass ich in diese Klinik gehe auch.
Meine Mutter erzählt es jedem. Einfach jedem. Nicht nur unseren Verwandten, ihren Freundinnen oder den Menschen in unserem Dorf. Nein, auch jeder Arbeitskollegin und sogar der Vertreterin die ihr immer ihr Make-Up bringt.
Es tut mir Leid, das sagen zu müssen, aber ich hasse sie dafür. Denn es geht niemanden etwas an. Selbst ich habe es nur ein paar Leuten erzählt. Und sie tratscht es einfach munter weiter. Ich möchte das einfach nicht, verdammt nochmal! Ich möchte selbst über mich bestimmen! Ich möchte bestimmen, wer was von mir weiß und was mir zu persönlich ist!!!
Es macht mich so wütend, verzweifelt und traurig zu gleich, dass meine Wünsche einfach nicht respektiert werden. Ich habe nichts zu melden in dieser Welt. Nicht mal wenn es um mich selbst geht. Und es macht mich extrem traurig, weil ich zur Zeit so oft das Gefühl habe, dass meine Eltern so unglaublich überhaupt nicht empathisch sind. Oder übertreibe ich? Vielleicht. Wahrscheinlich ist das alles so in Ordnung und völlig normal. Vermutlich dürfen Eltern das alles und es ist nur mein krankes Ich, das immer die Kontrolle über alles haben möchte…
Neulich hab ich dann nochmals versucht meiner Mutter das klar und deutlich zu sagen, dass sie das lassen soll. Dass ich das nicht möchte. In ganz normalem Ton.
„Gedankenschmiedin!!!!“, hat sie mich entrüstet angebrüllt und mir zu verstehen gegeben, dass sie das aber ja erzählen muss, wenn sich Leute nach mir erkundigen…
Aber selbst wenn Leute sich nicht erkundigen, weil sie mich gar nicht kennen, erzählt sie das ja. Das hab‘ ich erst neulich mitbekommen, als sie mit dieser Make-Up-Vertreterin telefoniert hat.
Sorry, aber ich werde doch auch nicht, wenn ich irgendwann wieder arbeiten gehe, jedem Elternteil auf die Nase binden, welche Erkrankung ich habe und in welchen Kliniken ich war!!! DAS IST PRIVAT!!! Aber dieses Wort kennt meine Mutter nicht. Das war schon immer so. Alles wird einfach in die Welt getratscht. Mein Vater genauso. Und ausweichende Antworten oder gar Notlügen kennen meine Eltern sowieso nicht. Schließlich steht in der Bibel ja, dass man nicht lügen soll…

Die letzten Tage habe ich viel über meine Eltern und meine Kindheit nachgedacht.
Vielleicht werde ich den Artikel, den ich dazu vor längerer Zeit mal geschrieben habe, in den nächsten Tagen ein bisschen mit weiteren Gedanken und Erinnerungen füllen…

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