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Das Wochenende war relativ langweilig. Während den Mahlzeiten habe ich mich gut mit der neuen Tischnachbarin unterhalten. Ansonsten war ich allein in meinem Zimmer, habe gelesen und mich zu Tode gelangweilt. Ich wäre gerne rausgegangen. Aber es hätte mich ja jemand sehen können. Ich kann einfach nicht ohne Grund, bzw. nur weil ich spazieren gehen möchte, einfach rausgehen. Zumindest nicht allein.

Ich hatte wieder viele Schmerzen, vor allem auch nachts. Keine Ahnung, wie das weitergehen soll. Leider hat mein Bezugsarzt gewechselt. Hatte eine junge, sehr nette Ärztin. Bin jetzt bei irgendeinem Arzt, der nicht hier im Gebäude ist. Grrr. Gar keine Lust. Keine Ahnung, wie der drauf ist…

Als ich gestern auf dem Weg zum Speisesaal war, ging plötzlich ein 8-jähriges Mädchen neben mir. Sie sah mich frech von der Seite an. „Na, alles klar?“, fragte ich. „Wie alt bist du?“, wollte sie wissen. „Was würdest du denn raten?“, entgegnete ich. „So 13 oder 11“, schätzte sie. „Oh, ich bin schon etwas älter“, meinte ich, was eher keine so gute Idee war. Die Kleine ließ nicht locker: „Wie alt denn?“ „25“, verriet ich ihr, und hoffte, dass sie nichts weiter dazu sagen würde. „Waaaas?“, das Mädchen riss die Augen auf. „Das kann gar nicht sein. Das stimmt nicht! Mein Bruder ist nämlich 18! Und mit 25 ist man nicht so klein!“ *Schluck*. Wäre ich klein und weniger „zierlich“ (wie zumindest immer alle sagen), dann hätte sie das bestimmt nicht gesagt. Immer seh ich so jung aus. Hat bei Kindern im Grundschulalter schon mal für Verwunderung gesorgt, als ich im Ferienlager Praktikum machen musste. Auch sie hatten mir nicht geglaubt, was mein Alter anging.
Wir waren mittlerweile schon im Speisesaal und hinter mir stand einer aus meiner Gruppentherapie von den „Oldies“. Ich meinte dann nur noch so zu ihr: „Es gibt eben auch kleine Leute“. Und dann gab sie zum Glück Ruhe, bzw. war damit beschäftigt zu schauen, was es zu essen gab…

Gestern Abend war mir ziemlich langweilig und auf Lesen oder Musik hören hatte ich keine Lust. Hatte dann aber eine recht gute Idee, wie ich finde. Habe mich zum ersten Mal in die Cafeteria getraut, einem von nur zwei Orten hier, an dem man WLAN hat. Habe mir eine App runtergeladen, mit der man Youtube-Inhalte später nach dem Laden offline anschauen kann. So konnte ich dann doch mal wieder nen Film schauen, wenn auch nur klein auf dem Smartphone. Aber immerhin ;).

Habe meine Medikamente heute zeitversetzt genommen. Ich glaube, dass das auch eine gute Idee war. Bis jetzt bin ich jedenfalls weniger müde, schwach und erschöpft als die letzten Tage. Bin zumindest heute nicht nach dem Frühstück gleich eingeschlafen, wie sonst.
Vom Fitness konnte ich mich zum Glück bei meiner Bezugstherapeutin abmelden, weil mir das zu viel gewesen wäre.
Vor Gymnastik hatte ich etwas Angst. Schließlich habe ich nicht viel Kraft. Nicht so viel wie die anderen. Und ich hatte Angst, dass mein Ärmel verrutschen könnte und dass jemand die Narben sieht. Klar, hier gehen viele damit offen um. Aber ich könnte das nicht. Nicht bei Leuten, die mich ohne Narben kennen gelernt haben… Doch da das heute irgendwie ein Tag mit guten Ideen zu sein scheint, kamen mir meine schwarzen Haargummis in Sichtweite, von denen ich mir einfach eins um den Ärmel meines schwarzen Cardigans gezogen habe.
Es war anstrengend dort und ich habe die Übungen kürzer gemacht als die anderen, aber insgesamt habe ich gemerkt, dass es mir doch sehr gut getan hat. Und es hat fast ein bisschen Spaß gemacht.

Beim Essen habe ich mich wieder gut mit Anja (41 Jahre), der Neuen am Tisch, unterhalten. Wir sind danach zu den Liegestühlen auf die Wiese und haben uns in die Sonne gelegt und ab und zu geplaudert. War gut. Allein hätte ich das wieder nicht gemacht. Aber vielleicht bekomme ich das ja die Tage mal hin…
Irgendwann kam eine die sich mit Anja angefreundet hat zu uns und hat ein bisschen geplaudert. Auch über eine der Patientinnen, mit Essstörungen. Sie hätte angeblich das ganze letzte Jahr nur Joghurt gegessen und wie schwierig es für sie ist, die Portionen hier zu schaffen. Und ihr BMI wäre ja so niedrig (0,6 niedriger als meiner übrigens, *hust*…).

Dann hatte ich Gruppentherapie. Heute habe ich nicht viel gesagt. Fand es schwierig, irgendwelche Worte zu finden. Komme mir dann blöd vor, wenn ich so schweigsam bin. Naja.

Einzeltherapie bei meiner Bezugstherapeutin war sehr kurz. Habe im Zeitstrahl vom letzten Mal noch meine Schmerzen ergänzt, die ich außer der Geschichte gerade schon hatte und immer wieder habe.
Ich soll jetzt Schmerztagebuch führen. Aber sehr genau. Was sehr schwierig ist, wenn man den ganzen Tag über Schmerzen hat…
Morgen soll ich zum Arzt gehen um mit ihm über die Bewegungstherapien zu sprechen, die ich gerne streichen bzw. ändern würde. Hoffentlich teilt der mich dann nicht in Wassergymnastik ein. Das kann er vergessen. Und hoffentlich ist das ein netter Arzt. Hab so viel schlechte Erfahrungen die letzten Monate gemacht. Bekomm sonst so die Krise…

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