Schlagwörter

, , , , , , , , , , ,

Dienstag:
Heute Morgen hatte ich Einzeltherapie. Ich musste mit Bauklötzen eine Konstellation meiner Familie nachstellen. Habe mich zu meinem Freund gestellt, in etwas Entfernung zu mir habe ich meine Mutter platziert, kurz danach meine Schwester und einiges dahinter meinen Vater. Um mich herum Schmerzen, die natürlich etwas schützendes haben können. Bei der Wunschvorstellung habe ich mich dann noch näher zu meinem Freund gestellt und meinen Vater noch weiter nach hinten gestellt…
Meine Therapeutin hat einige Fragen gestellt. Und ich habe irgendwas gesagt von wegen, dass meine Eltern immer viel gestritten haben, dass ich mir als Kind oft gewünscht habe, dass sie sich scheiden lassen. Dass sie das aber wegen ihrem Glauben nicht machen würden. Dass es meiner Mutter psychisch nicht gut geht. Usw., das meiste habe ich schon wieder vergessen… Habe immer Bedenken, dass die Therapeutin etwas fehlinterpretiert. Sie hat die Schmerzen dann so gebaut, dass sie eine Brücke zu meiner Familie sind. Weil ich durch sie ja wieder bei meinen Eltern leben muss. Ich hoff einfach, dass die nicht denkt, dass die Schmerzen aufrecht erhalten werden, weil ich durch sie mehr Kontakt zu meinen Eltern habe oder so. Das bedeutet dort schon Stress. Aber allein leben ohne Tagesstruktur, mit Angst und Essstörung ist auch nicht so einfach, bloß weiß sie das nicht. Ich soll mir als Hausaufgabe überlegen, was an den Schmerzen positiv ist. Ich hab keine Ahnung, außer dass sie mich natürlich vor negativen Einflüssen von außen schützen… Und sie war noch der Meinung, dass ich meine Mutter schütze, wegen ihrer Erkrankung. Aber ganz ehrlich, die weiß so wenig von mir und ich seh die nur einmal die Woche für einige Minuten. Das einzige, was mich im Nachhinein noch etwas beschäftigt hat, war, dass ich meinen Vater so weit von mir und den anderen entfernt hingestellt habe. Wahrscheinlich weil er so überhaupt kein Einfühlungsvermögen hat und nie richtiges Interesse an mir gezeigt hat. Und dann seine strengen Ansichten, dass Weihnachten, Fußballschauen oder Leichen in Büchern, böse sind und dass wir anderen alles falsch machen…

Gestern Abend war wieder ein netter Mädelsabend, war ganz lustig :).

Mittwoch: Immer wieder treffe ich mal Tobi. Bzw. er setzt sich dann oft zu mir, wenn er mich irgendwo sieht und wir plaudern und lachen ein bisschen (außer im Speisesaal, da ist er plötzlich schüchtern :P). Er verarscht mich immer wieder und ich ihn. Er wollte mich auf Facebook hinzufügen. Aber dann bekommt mein Freund bestimmt die Krise. Mal schauen, vielleicht kann ich es ja noch verhindern. Bisher hat er mich dort noch nicht gefunden…

Als ich heute Morgen beim Wiegen war, hat mich fast der Schlag getroffen. Ich war so sicher gewesen, dass ich zugenommen hatte. Schließlich habe ich am Tisch immer so viel mehr als die anderen gegessen. Ich habe keine Mahlzeit ausgelassen, im Gegensatz zu den anderen. Ich habe die letzten 5 Tage 11 Hanutas und fast eine Tafel Schokolade gegessen. Am Freitag ein Stück Kuchen und zwei am Sonntag. Und was hat die Waage heute Morgen ausgespuckt? 800g weniger als vor einer Woche. Noch 300g mehr abgenommen, als die Woche davor, in der ich keine Süßigkeiten hatte. Ich verstehe es nicht. Und die anderen an meinem Tisch auch nicht. Ich bewege mich auch kaum, liege viel. Muss aber eben von einer Therapie zur nächsten gehen, was ein paar Minuten in Anspruch nimmt und für mich manchmal anstrengend ist. Eigentlich sollte ich ja mehr Sport machen. Soll spazieren gehen, hatte der Arzt ja gemeint. Als ob ich mich jetzt noch traue spazieren zu gehen. Ich seh mich doch jetzt schon mit Zwischenmahlzeiten und am Tisch der Menschen mit Essstörungen sitzen. Schließlich hatte die Dame am Anfang gemeint, dass falls ich abnehme, wir nochmals reden müssten. Ich warte schon auf eine Nachricht von ihr, aber bisher ist nichts in meinem Briefkasten gelandet. Aber ich verstehe es gerade nicht, warum nehme ich plötzlich so schnell ab??? Oder sollte ich doch mal noch keine Schilddrüse untersuchen lassen, wegen diesem Hashimoto-Dings? Wurde mir in der letzten Klinik empfohlen…

Die Tage danach:
Die letzten Tage ist nicht so viel aufregendes passiert. Ein ca. 50-Jähriger aus meiner Gruppentherapie hat es sich irgendwie zur Aufgabe gemacht, mir vom Nachbartisch aus, bei den Mahlzeiten ab und zu auf den Teller zu schauen. Der ist sonst immer recht freundlich, aber das hat mich wieder so gestört! So hieß es das eine Mal: „Du musst mehr essen, Gedankenschmiedin!“. Und als ich einmal noch Salat auf dem Teller hatte (weil ich danach mit den Mädels noch zum Mc Donalds wollte): „Aufessen, Gedankenschmiedin!“… Grrrrr…

Keine Ahnung wieviele Jahre das her ist, das ich das letzte Mal in einem Fastfood-Restaurant war. Ist mir eigentlich viel zu ungesund. Aber da ich das Essen hier (genau wie die anderen) langsam einfach nicht mehr sehen kann, und sowieso nur am Abnehmen bin, hat es mir nichts ausgemacht. War nur körperlich nicht so ganz einfach, wegen den Schmerzen und Beschwerden. Genauso, als wir noch kurz zum Einkaufen gefahren sind. Das Stehen ging kaum und auch wegen anderen körperlichen Beschwerden, habe ich mich recht schnell wieder nach meinem Zimmer gesehnt…

Neulich hat meine Therapeutin mein neu angefangenes Schmerztagebuch kurz angeschaut (bevor sie es mitgenommen hat). Sie wollte immer einen Zusammenhang finden, zwischen meiner Stimmung/ meinen Gefühlen und den Schmerzen. Dabei habe ich durch das Tagebuch so sehr die letzten Wochen bemerkt, dass die Schmerzen so viel von der körperlichen Belastung usw. abhängen. Kann sein, im Liegen geht es ganz gut und dann gehe ich ein paar Schritte und zaaaack hab ich solche Schmerzen. Wenn sie das nach ihrer Auswertung irgendwie anders sieht, kriege ich glaube ich wirklich die Krise, weil es schon sehr deutlich ist…

Bisher kam niemand der Ärzte oder Therapeuten nochmals auf mich zu wegen der Gewichtsabnahme. Am Mittwoch muss ich wieder zum Wiegen. Wenn ich dann schon wieder weniger Gewicht habe, kann irgendwas nicht stimmen. Und dann gibt es bestimmt Ärger, wegen meinem BMI…

Freitag war richtig schlimm für mich. Ich hatte mit dem Arzt ja abgesprochen, dass ich es nochmals probieren würde, in Fitness zu gehen, nachdem ich bei der Einführung damals so erschöpft war und dann mehrmals pausiert habe. Schon bevor es los ging, habe ich mich sehr unwohl gefühlt. Mit mir hatten lauter sportlich aktive Menschen Fitness, die sich noch darüber beschwerten, dass das ihnen hier alles viel zu wenig und zu kurz wäre. Schon da habe ich mich fehl am Platz gefühlt, weil die anderen keine körperlichen Einschränkungen hatten. Habe mich dann auf den Ergometer gesetzt, weil ich da schon mal saß und bei anderen Geräten noch unsicherer war. Ich sage euch, dass ist so deprimierend, wenn einem Stufe 1 schon viel zu schwer ist und man dann so langsam fahren muss, dass das Gerät dauernd aus und an geht!!! Als die Physiotherapeutin dann bei mir vorbei kam, habe ich ihr gleich gesagt, dass ich momentan sehr geschwächt bin und Pausen machen muss. Hatte nämlich schon das Gefühl gehabt, dass sie mich besonders lange beobachtet hatte. Ich war noch recht am Anfang und hatte dauernd Pausen gemacht, meine Herzfrequenz von über 140 stand sie glaube ich trotzdem etwas skeptisch gegenüber und meinte, dass ich höchstens noch 10 min an dem Gerät bleiben soll. Da mir das dann zu blöd war, dass das Gerät dauernd an und aus gegangen ist, habe ich mich irgendwann zusammengerissen und bin eine konstante Geschwindigkeit gefahren. Meine Herzfrequenz war dann eigentlich nur noch bei 180… Ist das zu viel? Ich kenne mich da nicht aus, aber für mich hört sich das hoch an und wenn diese Therapeutin schon bei 140 so angeschaut hat… Danach war mir dann übel und ich war schon etwas zittrig. Habe dann nur noch was für den Oberkörper gemacht und dann war die Zeit auch schon vorbei. Zu dem Zeitpunkt war ich erschöpft und es war körperlich wieder sehr an der Grenze. Meine Schmerzen waren danach wieder stärker. Bei meinem Pech haben wir eine Stunde später von der Gruppentherapie einen Spaziergang gemacht. Eine Stunde lang. Erst bergauf dann bergab. Wir sollten uns auf unsere Sinneswahrnehmung konzentrieren. Ich muss sagen, dass ich eigentlich schon nach den ersten 50 Metern am Ende war. Die Schmerzen wurden immer schlimmer und ich hatte kaum Kraft um zu gehen. Ich war die ganze Zeit damit beschäftigt, nicht loszuheulen, weil ich körperlich einfach am Ende war. Vor allem als wir sagen mussten, wie es uns geht, war es schwierig meine Tränen zurückzuhalten. Hoffentlich meldet die Therapeutin das meiner Bezugstherapeutin zurück, dass es mir da mit den Schmerzen gar nicht gut ging… Am Nachmittag und Abend haben mich dann wieder verschiedenste Mitpatienten darauf angesprochen, ob ich Schmerzen hätte, man würde es mir nämlich sehr deutlich ansehen. Und ich war auch am Ende. Habe mich hingelegt und geschlafen. Im Liegen war es besser. Aber seitdem habe ich wieder stärkere Schmerzen beim Gehen, Stehen, Sitzen und danach auch einige Zeit im Liegen. Und ich bin seit Freitag so geschwächt. Gestern war ganz schlimm, obwohl ich viel geschlafen und gelesen habe und keine Therapie hatte. Ich konnte kaum einen Fuß vor den anderen setzen.

Vorhin habe ich mal wider die Treppe statt den Aufzug genommen. Ging fast nicht. Das Atmen war danach wieder schwieriger. Und ich habe wieder ziemliche Schmerzen, seit ich diese paar Schritte gegangen bin. Es ist so ätzend. Ich bin nur noch etwas über eine Woche hier und ich habe das Gefühl, mein Zustand wird eher schlechter als besser. Vielleicht nehme ich doch deshalb plötzlich so viel ab. Weil alles für mich körperlich so anstrengend ist. Doch die anderen verstehen das nicht. Überhaupt nicht, außer die Mädels, mit denen ich mich immer wieder treffe. Ständig stoße ich auf Unverständnis, wenn ich sage, dass ich nicht abends auf das Fest hier gehe, oder sonst irgendwo hin. Sogar beim Pflegepersonal. Alle gehen davon aus, dass man körperlich doch dazu in der Lage ist. Das macht mich fertig…

Nachher gehe ich mit den Mädels irgendwo essen. Hoffentlich geht das gut mit den Schmerzen und den anderen Beschwerden.

Morgen habe ich wieder einen Arzttermin, um mich für das morgige Fitness zu entschuldigen, dass direkt vor Gymnastik stattfindet(!). Vielleicht ergibt sich ja da noch irgendwas, aber ich bezweifle es…

Advertisements