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Vor einigen Tagen hatte ich das vorletzte Gespräch mit meiner Bezugstherapeutin. Irgendwie hatte ich erwartet, dass sie nochmals auf meine familiäre Situation hinausgehen würde. Oder dass sie in mein Schmerztagebuch zu viel hineininterpretieren würde. Doch letztendlich lief es anders als gedacht. Sie meinte, sie hätte sich mit den anderen Ärzten usw. ausgetauscht und mein Schmerztagebuch ausgewertet und sie vermuten, dass meine Schmerzen körperlich bedingt sind. Sie würden mich als arbeitsunfähig hier entlassen. In die Unterlagen haben sie geschrieben, dass eine weitere Behandlung notwendig ist. Meine Therapeutin meinte, dass ich danach trotzdem Psychotherapie in Anspruch nehmen sollte, um zu lernen, mit den Schmerzen umzugehen. Sie wollte wissen, was ich davon halte. Daraufhin antwortete ich ihr, dass ich es mir schwierig vorstelle, solange ich momentan so abseits von Ärzten bei meinen Eltern wohne, weil die Fahrten so schmerzhaft und schwierig für mich sind. Sie meinte, dass ich aber bei meinen Eltern vermutlich nicht gesund werden würde. Wir sind dann zu dem Entschluss gekommen, dass eine stationäre Schmerztherapie vielleicht passender wäre. Auch wenn ich ja eigentlich null Bock auf weitere Klinikaufenthalte habe… Und dann muss ich noch zu nem anderen Arzt, wegen den Beschwerden, die ich seit der OP hab. Letzteres empfinde ich als wichtigen nächsten Schritt, weil viele Schmerzen und Beschwerden damit zu tun haben könnten. Ich bin so froh, dass sie mir glauben, dass es körperlich bedingt ist. Und dass sie mir meine Schmerzen glauben und mich arbeitsunfähig entlassen. Ich hatte wirklich Angst, dass irgendjemand das Gegenteil behaupten würde. Allerdings hat meine Therapeutin dann noch gemeint, dass man mir die Schmerzen/ bzw. wenn ich mich über die Schmerzen ärgere, dass man mir das nicht ansehen würde. Ich würde nach außen zu gelassen wirken… Okay… (Die Mitpatienten sehen mir starke Schmerzen aber oft an!). Wenn sie meint… Zumindest würde es erklären, warum die Notärztin mich damals nicht untersucht hat, als ich zwei Tage meine schlimmsten Schmerzen überhaupt hatte… Und es würde erklären, warum manche Ärzte in den letzten Monaten meine Schmerzen nicht so ernst genommen haben. Und es gehört bestimmt unbewusst zu meiner Fassade. Vielleicht bin ich ja so gefühlskalt wie mein Vater. Die Therapeutin vermutet bestimmt wieder, dass ich meine Mutter schützen möchte und deshalb keine Schmerzen usw. zeige… Sie hat mich auch gefragt, wo ich es im Körper spüre, wenn ich wütend bin wegen der Schmerzen. Ich habe keine Ahnung. Habe gemeint, dass ich es mal beobachten werde. Muss ich mal googeln, was welche Antworten bedeuten würden… Und sie meinte, dass das eben den Schmerz verstärken kann… Des Weiteren hat meine Therapeutin mittlerweile selbst erkannt, dass mir die Gruppentherapien mit den „Oldies“ nichts bringen. Meine Themen werden da weniger behandelt…. Die Gruppe ändert sich gerade am laufenden Band, was ich sehr schwierig finde. Dadurch könnte ich mich da auch nicht richtig öffnen, weil immer neue Gesichter dabei sind, die ich nicht oder kaum kenne. So schweige ich dort immer, oft als einzige…

Heute Morgen ist mir mal wieder etwas peinliches passiert. Ich bin wirklich Weltmeisterin darin, unauffällig zu sein. So sehr, dass ich schon häufig Menschen unabsichtlich erschreckt habe, weil sie mich nicht bemerkt haben. Wie jeden Morgen (und Mittag und Abend und zwischendurch), habe ich vor dem Stationszimmer zwei Stockwerke unter mir gewartet. 4 Leute waren vor mir. Die Frühstückszeit hatte schon begonnen. Aber das zieht sich dort manchmal sehr in die Länge, wenn immer nur eine Person reingehen kann. Nach ca 15 min war ich endlich an der Reihe. Eigentlich wollte ich nur mein Schmerzmittel nehmen. Die Dame die vor mir drin war, hob mir die Tür auf und ich trat ein. Die Schwester war noch dabei, etwas in die Akte der vorherigen Patientin zu schreiben. Deshalb verhielt ich mich leise. Sie schrieb und schrieb. Dann holte sie ein Blatt heraus, dass sie sich durchlas. Normalerweise beeilen sich die Pflegekräfte immer. Als sie dann weiter in der Akte blätterte und Worte hineinschrieb, war ich mir nicht mehr so sicher, ob sie mich überhaupt bemerkt hatte. Der nächste Patient wartete draußen schon ungeduldig und auch die andere Schwester schaute einmal von draußen kurz verwundert zur Scheibe rein und meinte zu dem anderenvor dem Zimmer, ob er immer noch warten würde. Also fing ich an mich zu räuspern. Ich klapperte mit meinem Schlüssel. Ging zwei Schritte nach rechts und wieder nach links. Ich öffnete meine Flasche und schloss sie wieder. Sie musste mich doch bemerkt haben!??? Aber vielleicht hat sie ja einfach noch zu tun!?? Ich wollte sie aber auch nicht erschrecken. Dann kam die andere Schwester wieder draußen vorbei und kam mit verwundertem Blick herein. „Die Frau Gedankenschmiedin?“, fing sie an und blickte ihre Kollegin fragend an, die mir immer noch schräg gegenüber saß und in ihrer Akte blätterte. Diese blickte auf und wünschte mir einen guten Morgen. Sie hatte mich nicht gesehen. Und ich stand da 5-7 min drin und habe mich nicht getraut etwas zu sagen!!! Komme mir so dämlich vor…

Tobi habe ich heute im Fahrstuhl getroffen. Er musste ein Stockwerk früher raus als ich. Kurz bevor er hinaus ging, drückte er grinsend einmal alle Knöpfe, der verschiedenen Stockwerke. „Mal sehen, wo er zuerst hinfährt!“, meinte er. Eh, wenn der erst die anderen Etagen angefahren hätte, wär ich echt wieder ausgestiegen und hätte ihm was erzählt! 😛 Unmöglich… Aber ich hatte Glück.

Beim Arzt kam neulich nichts Neues heraus, außer, dass er mich aus Fitness herausgenommen hat, weil es zu anstrengend für mich ist. Bei Gymnastik habe ich mich neulich zum ersten Mal getraut, mich gegen Ende auf die Bank zu setzen, als ich nicht mehr stehen konnte vor Schmerzen. Die junge Frau kam dann fragend auf mich zu. War dann aber gar kein Problem, dass ich die letzten Minuten zugeschaut habe. Hätte ich schon früher machen sollen, statt mich zu quälen. Trotzdem kam ich mir ein bisschen doof vor, weil die anderen sonst alle mitgemacht haben und die ja auch nicht wegen Schmerzen da sind, was die aber ja nicht wissen. Die Physiotherapeutin hat mich dann aber noch zweimal gefragt, ob mit meinem Kreislauf aber alles in Ordnung wäre. Grr, bestimmt wieder wegen meiner Figur..

Hier nebenan befindet sich eine Kinder- und Jugendpsychiatrie. Ein Mädchen tut mir leid. Immer wenn ich es sehe, hat es seine Hände miteinander verbunden… Heute ist eine Mitarbeiterin von dort vor meinen Augen hingefallen. Bzw. ich hab nur gesehen, wie sie sich wieder aufgerichtet hat. Da dachte ich noch, dass sie eben gestolpert wäre. Dann hielt sie sich die Hand vor die Nase und ich dachte, sie hätte Nasenbluten. Als sie dann die Tür zu meiner Klinik geöffnet hat, habe ich aus der Ferne ihre rote Hand gesehen. Da kamen ihr dann aber schon Leute entgegen. Kurz danach habe ich auf der Liegewiese ein Handy gefunden, dass ich an die Rezeption bringen wollte. Dort angekommen, wurde ein Krankentransport bestellt. Und ich habe gehört, dass die Zähne der Frau rausgegangen wären. Die Arme…

Gestern hatte ich das letzte Mal Kunsttherapie. Voll schade, das hat wirklich Spaß gemacht! Ölpastellkreiden habe ich in letzter Zeit für mich entdeckt. Ich hab mir solche sogar vor vielen Jahren mal gekauft, ohne zu wissen, dass man sie mit Öl verwischen kann, ich Dumpfbacke :P. Die muss ich auf jeden Fall dann mal aus meiner Wohnung holen, wenn ich hier draußen bin. Mit der Collage von neulich bin ich auch sehr zufrieden. Es zeigt hauptsächlich das ausdrucksvolle Gesicht einer Frau in schwarz-weiß. Um sie herum sind überall bläuliche Wolken und fliegende Vögel (in blau). Sie selbst steckt ansatzweise mit dem Hals in einem Gewand aus Wolken… Ich bin froh, dass ich in Kunst immer nach einiger Zeit und manchmal auch ziemlich schnell, eine zündende Idee hatte. Ich konnte kreativ sein, obwohl ich gedacht habe, das in den letzten Jahren verlernt zu haben, bzw. von der Angst (was die anderen über mich denken/ in das Bild interpretieren) viel zu eingeschränkt zu sein!! 🙂 Als ich mich gestern in meinem Zimmer mit Stiften und Papier  hingesetzt habe, ging es mir dabei irgendwie weniger gut. Mir war zuvor sehr langweilig gewesen,  weil ich kaum Therapien hatte. Und irgendwie konnte ich beim Zeichnen nicht abschalten. Ich habe viel zu viel nachgedacht. Über mich und meine Probleme. Dass hier niemand von meiner Essstörung, der Angststörungen und der problematischen Beziehung zu meinem Freund sowie der nicht vorhandenen sozialen Beziehungen (im Alltag), weiß. Dass ich da nicht raus komme. Dass ich mich einfach nicht öffnen kann… Es ist bescheuert. Anschließend habe ich solche Kopfschmerzen bekommen… War mal wieder alles zu viel…

Heute habe ich wenig Schmerzen bisher. Vielleicht weil ich weniger Therapien habe und dadurch mehr liege… Etwas langweilig ist mir schon wieder. Am Wochenende ist hier auch nichts los. Naja, am Dienstag habe ich das hier dann endlich hinter mir… Einerseits bin ich froh. Andererseits habe ich die Befürchtung, dass meine Eltern wieder so anstrengend sein werden. Und die drei Mädels und die Kunsttherapie werde ich schon ein bisschen vermissen…

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