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Tag 33-35:

Morgen geht es zurück zu meinen Eltern, ich kann es gar nicht glauben. Ich habe mich hier so eingelebt. Vor allem mit den 3 Frauen um die 40 habe ich in letzter Zeit täglich viele Stunden gemeinsam verbracht. Wir haben uns so gut verstanden. Sie haben mir sogar ein Abschiedsgeschenk gemacht, über dass ich mich so sehr freue. Leider habe ich nichts für sie, weil ich hier nicht weg komme -.-. Ach man, ich werde die gemeinsamen Abende mit denen so vermissen. Oder wie wir zusammen auf der Liegewiese waren. Irgendwie macht mich gerade alles sehr traurig und ich möchte gar nicht gehen. Denn daheim wartet mein kaputtes Leben auf mich, von dem niemand etwas ahnt und in dem ich wieder gnadenlos versinken werde!!!

Dass meine Maske recht gut sitzt, habe ich auch heute wieder bestätigt bekommen. In der Gruppentherapie wurde mir von den anderen rückgemeldet, wie sie mich empfunden haben. Natürlich fielen auch Worte wie „zurückhaltend“ oder „etwas stiller“. Aber auch „angenehm“, „lieb“, „nett“, „sympathisch“ wurde gesagt. Oder: „Wenn sie lacht, ist sie wunderschön!“ Vielen habe ich leid getan, weil ich jeden Tag Schmerzen habe und sie haben mir gute Besserung gewünscht. Gleichzeitig wurde gesagt, dass ich trotzdem immer am Lächeln und Lachen und anscheinend gut drauf bin… Das hat mich dann schon ein bisschen gewundert, dass ich so wirke. Und meine Therapeutin hat es danach im Einzelgespräch aufgegriffen. Dass das vielleicht mein Problem wäre, dass ich so viel lächle (was ich selbst ja gar nicht so wahrnehme). Und dass da meine Schmerzen niemand sieht und mich manche Leute damit vielleicht auch nicht ernst nehmen… Sie wollte wissen, ob ich mir vorstellen könnte, warum das so bei mir ist. Ich habe dann gemeint, dass ich ja schon so lange Schmerzen habe, seit vielen Jahren, und im Alltag trotzdem immer einigermaßen funktionieren musste… Innerlich habe ich natürlich viel eher an meine Maske gedacht. Wenn mir Menschen nicht mal stärkere Schmerzen zutrauen würden, dann den Rest erst recht nicht… Meine Therapeutin meinte dann natürlich dass ja vielleicht auch der Aspekt mitgespielt hat, dass ich anderen nicht zur Last fallen wollte… Garantiert wegen meiner Mutter und ihrer Erkrankung. Soll sie das ruhig glauben, dann hat sie wenigstens einen Grund. Zum Schluss meinte sie dann noch, dass sie hier ja leider nicht wirklich was für mich tun konnten. Ja, so ist es leider. In Sachen Schmerzen bin ich nicht wirklich weiter gekommen. Trotzdem bin ich aber natürlich froh, dass ich die anderen Frauen hier kennenlernen durfte und viele schöne Stunden mit ihnen verbringen konnte! 🙂 Doch für die Schmerzen war es eher verschwendete Zeit!?

„Die anderen Frauen“. Nein, das passt schon wieder nicht für mich. Ich kann mich selbst einfach nicht als Frau bezeichnen, weil die anderen mich viel jünger einschätzen. Heute hat auch eine neue Patientin gemeint, als eine andere und ich in der Gruppe verabschiedet wurden: „und ich wünsche Ihnen und DIR alles Gute!“… Jaja… Ich seh schon wieder mehr als 8 Jahre jünger aus… 🙈.

Wieder „daheim“ (bei meinen Eltern):
Dienstagmorgen wurde ich dann also nach fünf Wochen Kur als arbeitsunfähig entlassen. Meine Mutter hat mich abgeholt. Wollte mich wieder umarmen, was ich nicht zugelassen habe – bei meinem Vater später das gleiche. Es würde sich nicht richtig anfühlen… Die Heimfahrt war sehr schmerzhaft und dadurch sehr anstrengend. Danach war ich erledigt.
Ich habe ziemlich schnell bemerkt, dass meine Mutter davon ausgeht, dass es mir jetzt besser gehen muss (obwohl ich ihr meinen Zustand beschrieben hatte), schließlich geht man nach einer Kur eigentlich wieder arbeiten. Ständig erwähnt sie seitdem meine Wohnung. Dass ich doch dort hin zurück möchte. Dass sie ja bemerken würde, dass mein Vater mir hier auf den Geist geht (schon wenige Minuten nach meiner Ankunft, weil er schon wieder jede Menge Scheiße gelabert hat und wieder null bemerkt hat, dass ich mich nicht mit ihm unterhalten möchte, weil es mir zu viel ist). Ich habe das Gefühl, dass mich hier niemand versteht. Meine Mutter redet dauernd davon, dass ich doch mal wieder in meiner Wohnung übernachten könnte. Sie würde auch ab und zu meine Wäsche waschen und für mich anfangs einkaufen gehen. Es geht mir nicht besser verdammt noch mal! Auch wenn ich nicht dauernd rumjammer, habe ich 24h am Tag Schmerzen und ich habe ständig das Problem, dass ich einfach nicht stehen kann, weil die Schmerzen da viel zu stark und immer stärker werden. Mein Ruhepuls ist immer zwischen 90 und 130. Ich habe kaum Kraft. Ich kann mich so nicht in meine Küche stellen, den Müll runterbringen, putzen, oder im überfüllten Bus stehen. Aber das versteht meine Mutter nicht. Schließlich war ich ja in Kur. Es muss jetzt bergauf gehen… Und ich bin am Heulen, weil mich hier niemand versteht. Weil meine Eltern mir so empathielos vorkommen. Aber wenn ich an meine Therapeutin denke – wahrscheinlich ist es ja eh wieder meine Schuld. Vielleicht sehen meine Eltern mir die Schmerzen zu wenig an… Aber ich kann doch nicht noch mehr rumjammern!? Es reicht mir doch schon, wenn meine Eltern das tun…

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